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Gefahr durch Drohnen:Bundesregierung plant verstärkten Schutz für Flughäfen

Mehr Drohnen in der Nähe von NRW-Flughäfen

Es gibt immer mehr Störungen des Luftverkehrs durch Drohnen. Auch wenn diese noch in weiter Entfernung zum Flughafen schweben, wie hier in Düsseldorf.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Vorfälle in London Gatwick und Frankfurt zeigen: Private Drohnen können eine erhebliche Gefahr für den Flugverkehr darstellen.
  • Doch trotz Hunderttausender Drohnen allein in Deutschland gibt es noch immer kein großflächiges Kontroll- oder Abwehrsystem.
  • Die Deutsche Flugsicherung soll jetzt eine Technologie zur besseren Absicherung des Luftraums um Flughäfen entwickeln.

Kurz vor Weihnachten wurde am Londoner Flughafen Gatwick klar, welches Chaos droht, wenn Drohnen in der Nähe von Start- und Landebahnen unterwegs sind. Sie legten in Gatwick den gesamten Flugverkehr für 30 Stunden lahm. Etwa 1000 Flüge fielen aus, 140 000 Passagiere saßen fest. Anfang Mai nahm auch der Frankfurter Flughafen aus Sicherheitsgründen alle Start- und Landebahnen für fast eine Stunde außer Betrieb, weil unbekannte Flugobjekte unterwegs waren. Flughäfen sind bislang so schutz- wie hilflos. Denn für die Hunderttausende Drohnen allein in Deutschland gibt es trotz vieler Warnungen noch immer kein großflächiges Kontroll-, geschweige denn ein Abwehrsystem.

Dabei werden die Gefahren in den zuständigen Behörden immer intensiver diskutiert. Etwa 500 000 Drohnen soll es in Deutschland in privater und kommerzieller Nutzung bereits geben - Tendenz steigend. Meist sind die Einsätze harmlos. Aber Sicherheitsbehörden fürchten eben auch Terror-Risiken wie den Einsatz mit kleinen Sprengsätzen. Davor hatte der EU-Anti-Terrorismus-Koordinator gewarnt.

Etwa 500 000 Drohnen gibt es bereits in Deutschland

Wie angespannt die Bundesregierung auf den wachsenden Drohnenverkehr am Himmel über Deutschland reagiert, zeigen nun aktuelle Aktivitäten in Berlin. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat das Bundesverkehrsministerium die Deutsche Flugsicherung (DFS) mit einem Aktionsplan beauftragt. Die Behörde, die den Luftraum für Verkehrsflugzeuge überwacht, soll eine "systematische Drohnendetektion" an Flughäfen sicherstellen. "Aus Sicht des Verkehrsministeriums stellt der Betrieb von unbemannten Flugsystemen in Flugplatznähe ein erhebliches Risiko für die Sicherheit des Flugbetriebs dar", erklärt die DFS auf Anfrage. Ausschlaggebend sei "die steigende Zahl der Drohnensichtungen in unmittelbarer Umgebung von Flughäfen" und "jüngste Ereignisse, bei denen unbemannte Flugsysteme den Verkehr an Flugplätzen zeitweise sogar zum Erliegen gebracht haben", erklärt ein Sprecher der Flugsicherung. Die Zeit drängt offenbar. Abgabetermin für den Plan: 30. September.

Eigentlich ist der Drohneneinsatz in Deutschland bereits geregelt. Sie dürfen eineinhalb Kilometer um Flughäfen herum gar nicht fliegen. Untersagt ist es auch, Hauptverkehrswege, öffentliche Gebäude, Industrieanlagen, Gefängnisse, Militäranlagen oder Rettungseinsätze zu überfliegen. Nach Angaben der Flugsicherung gefährden Drohnen dennoch immer häufiger die Flugsicherheit. 2018 wurden 158 Fälle gemeldet, in denen sich Flugzeugpiloten von einer Drohne behindert fühlten - 80 Prozent mehr Vorfälle als im Jahr zuvor. Die meisten zählte mit 31 der Frankfurter Flughafen, gefolgt von Berlin Tegel mit 17 und München mit 14 Vorfällen.

Technologie zur Überwachung von Drohnen muss erst entwickelt werden

Machen können Behörden bislang wenig. Sind Drohnen erst mal in der Luft, gibt es keine Möglichkeit, die Flüge elektronisch zu erkennen - der Radar für Flugzeuge spürt Drohnen nicht auf. Und selbst wenn man sie bemerkt, lassen sie sich nicht schnell genug einem Besitzer zuordnen. Denn Nutzer müssen sich zwar mit einer Plakette auf dem Gerät zu erkennen geben. Ein System zur Registrierung oder ein Funksignal, damit Behörden schnell und elektronisch prüfen können, zu wem sie gehört, gibt es bislang nicht. So lässt sich der Grund der Flüge nicht schnell klären.

Das könnte sich in Deutschland nun ändern. Es geht deshalb bei dem Auftrag an die DFS auch um den Aufbau einer neuen Technologie zur Drohnenüberwachung und ihrer Registrierung. "Gerade für die Detektion unkooperativer Drohnen muss eine zuverlässige Technologie beschafft werden", die bislang am Markt noch nicht verfügbar sei, erklärt die Flugsicherung weiter. Infrage kommt laut Experten etwa eine neue Radarüberwachung, der Aufbau von Störsendern, die Drohnen zum Abdrehen zwingen oder das Einrichten von Sensoren, die Alarm schlagen, wenn sie Signale von Fernsteuerung an das Flugobjekt wahrnehmen.

Sicherheitsbehörden haben ähnliche Technik bereits im Einsatz und schützen so etwa Staatsbesuche. Geprüft wird den Angaben zufolge, ob sich eine 18 Kilometer große Verbotszone um Flughäfen einrichten lässt. Ein Bereich bis 1300 Meter Höhe könnte dann von der Flugsicherung kontrolliert werden. Bundes- oder Landespolizei wären dafür verantwortlich, in diesem Bereich Drohnen in kritischen Situationen vom Himmel zu holen. Offen ist noch, wer solche Einsätze bezahlt. Denn die Flughäfen fühlen sich für Korridore, die über das eigentliche Gelände weit hinaus reichen, nicht verantwortlich. Das Thema dürfte auch am Mittwoch in Leipzig eine Rolle spielen, wenn sich die Luftverkehrsbranche zu einem nationalen Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft.

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