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Drogenkranke:Wie sich Leben retten lässt

Zu viel Strenge des Staates führt in den Tod.

An Gräbern lässt sich abzählen, dass in Bayern etwas im Argen liegt. Nirgends sonst in Deutschland sterben so viele Drogenabhängige. Nicht in Hessen mit seiner notorischen Frankfurter Junkieszene, nicht in Nordrhein-Westfalen mit seinen Elendsquartieren, sondern im reichen Freistaat mit seiner besonders strikten Drogenpolitik.

Nun kann man beim Kampf gegen die Sucht von keiner Regierung Wunder erwarten. Einem Menschen aus den Fängen eines Stoffes wie Heroin zu helfen, ist eine Sisyphusaufgabe. Aber die Sucht allein ist auch nicht unbedingt das, was Menschen ins Grab bringt. Wenn von Drogentoten die Rede ist, geht es in Wahrheit meist um Faktoren, die zur Sucht hinzukommen: Hepatitis, weil keine saubere Injektionsnadel zur Hand war; oder eine Überdosis, weil es unmöglich war, den Wirkstoffgehalt zu überprüfen. Das ist es, was in Bayern häufig geschieht.

Daran ließe sich durchaus etwas ändern, und das hat nichts mit Sisyphus, sondern nur mit politischem Willen zu tun. Andere Länder machen vor, wogegen Bayern sich seit Jahren sträubt: Sie eröffnen Konsumräume, wo Süchtige das, was sie ohnehin tun, wenigstens unter ärztlicher Aufsicht tun. Das heilt zwar nicht die Sucht, aber es rettet Leben. Das kann und sollte man von einer Landesregierung verlangen.