Drogen-Vorwürfe Der schnelle Rücktritt nötigt selbst politischen Gegnern Anerkennung ab

Beck wird wohl weiter Politik machen. Und das ist gut so. Beck sitzt seit 1994 für die Grünen im Bundestag. Er gehört zu den wenigen Abgeordneten mit sechs Sternen im Kürschner, dem rot-weiß-gestreiften Abgeordnetenhandbuch. Jeder Stern steht für eine Legislaturperiode. Beck ist immer dahingegangen, wo es wehtut. Als Kämpfer für die Rechte Homosexueller hat er sich in den düsteren Kohl-Jahren dumme Sprüche im Bundestag anhören müssen. In Moskau hat er sich für seine Homosexualität blutig schlagen lassen. Beck ist keiner, der sich wegduckt. Keiner, der sich anschmiegt, um von allen gemocht zu werden. Beck mag Drogen nehmen. Harmoniesüchtig ist er nicht.

Bundestag

So lief Becks politische Karriere

In der Pädophilie-Affäre der Grünen allerdings hat er zu spät gemerkt, dass er eine Mitverantwortung trägt für unsägliche Schriften und Ideen aus den Anfangsjahren der Grünen. Er hat sich dafür entschuldigt. Besser spät als nie. Im vergangenen Jahr hat er für seine Verdienste im Kampf gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit den Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden in Deutschland bekommen.

Beck hat für sein Fehlverhalten Kritik einstecken müssen, auch aus der eigenen Partei, etwa vom wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Kretschmann. Der schnelle Rücktritt nötigt aber selbst politischen Gegnern Anerkennung ab. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte:

Diese Art der Anerkennung wird Beck stützen, wenn er den Neustart angeht. Der schnelle und deutliche Rücktritt kann ihn stärken. Und ihm helfen, auch diejenigen in seinem Landesverband Nordrhein-Westfalen zu überzeugen, die schon vorher Zweifel hatten, Beck 2017 noch einmal, ein siebtes Mal in den Bundestag zu schicken. Und ihn dafür mit einem sicheren Platz auf der Landesliste auszustatten.

Fehler passieren. Beck hat einen Fehler gemacht. Er hat ihn umgehend eingeräumt und ohne zu zögern seine Ämter zur Verfügung gestellt. Das gelingt nicht jedem. Es sei nur an den einstigen CSU-Superstar Karl-Theodor zu Guttenberg erinnert. Der hat Wochen gebraucht, um zu merken, dass er mit einer abgeschriebenen Doktorarbeit nicht einfach weitermachen kann wie bisher. Hätte er gehandelt wie Beck jetzt, Guttenberg könnte längst wieder eine wichtige Rolle auf der politischen Bühne spielen.

Über die Zukunft eines Politikers, der einen Fehler gemacht hat, entscheidet meist nicht die Qualität des Fehlers selbst. Erst sein Umgang mit dem Fehler lässt erkennen, ob er eine zweite Chance verdient hat. Beck hat sie verdient.

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