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Dresden:Zehntausende demonstrieren für Toleranz

Mit dem Slogan "Sachsen kann auch anders" will das Bündnis "Unteilbar" ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen.

Eine Woche vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben in Dresden Zehntausende für eine solidarische Gesellschaft ohne Rassismus demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter waren am Samstag etwa 40 000 Politiker, Aktivisten und Bürger aus ganz Deutschland dem Aufruf des Bündnisses "Unteilbar" gefolgt, das sich aus zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammensetzt und im vergangenen Oktober eine Großdemonstration in Berlin mit bis zu einer Viertelmillion Teilnehmern organisiert hatte.

"Sachsen kann auch anders, Dresden ist viel mehr als Pegida", sagten die Veranstalter mit Blick auf das fremdenfeindliche Bündnis, das in Dresden bis heute demonstriert. Bei den Landtagswahlen am 1. September wird mit starken Zuwächsen für die AfD gerechnet, in Brandenburg könnte die rechtspopulistische Partei Umfragen zufolge stärkste Kraft werden.

Den Dresdner Aufruf unterstützten mehr als 400 Initiativen, darunter Gewerkschaften, Sozialverbände und die großen Kirchen. Weil zum Beispiel auch Antifa-Gruppierungen teilnahmen, hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im Vorhinein abgesagt. Es gebe Punkte, in denen seine Partei und "Unteilbar" auseinanderlägen - beispielsweise bei der Seenotrettung im Mittelmeer oder beim sächsischen Polizeigesetz. Kretschmer betonte jedoch, den Aufruf prinzipiell zu unterstützen und sprach seinen Respekt aus.

In dem kilometerlangen Zug vom Altmarkt zur Cockerwiese liefen Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz und der kommissarische SPD-Parteivorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sowie die Parteichefs der Linken, Katja Kipping und Bernd Riexinger, und Grünen-Chefin Annalena Baerbock mit. Auf der Abschlusskundgebung sprach unter anderem Publizistin Carolin Emcke: "Wir müssen nicht gleichartig sein, um gleichwertig zu sein. Vielfalt ist keine Bedrohung und keine Gefahr einer stabilen Gesellschaft", sagte sie.

Felix Müller, Sprecher des Bündnisses "Unteilbar", ging auch auf Vorwürfe ein, die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold seien im Demonstrationszug nicht erwünscht gewesen. Sie seien nicht Ausdruck eines Bündnisses, das alle Menschen ansprechen wolle, die in Deutschland lebten, sagte er. Es sei aber jeder willkommen, der für eine solidarisches Gesellschaft eintrete.

In Chemnitz hatte die rechtsextreme Bewegung Pro Chemnitz für Sonntagabend zu einer Demonstration aufgerufen, wenige hundert Teilnehmer kamen. Am Gegenprotest beteiligten sich etwa 200 Menschen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Parallel dazu fanden im Innenstadtgebiet ein Bürgerfest und eine Großveranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds am Karl-Marx-Monument statt. Am 26. August 2018 war in Chemnitz ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden. Die Tat hatte rassistische Aufmärsche und Übergriffe ausgelöst. Am Donnerstag wurde ein Syrer wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Verteidigung hat Rechtsmittel eingelegt.

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