bedeckt München 25°

Dresden:Visionen aus Sperrholz

Holzfernsehturm in Dresden

Am Montag stellte der Kabarettist Uwe Steimle seinen Fernsehturm mit Halbmond auf dem Neumarkt auf, am selben Tag verschwand er wieder.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Erst senkrecht aufgestellte Busse, jetzt ein Stangen- und Körper-Durcheinander: In Dresden regt sich wieder Protest gegen die Kunst vor der Frauenkirche. Diesmal im Mittelpunkt: ein Kabarettist, der mit irrlichternden Aussagen über "die Obrigkeit" auffällt.

Der Neumarkt steht schon lange symbolisch für die Stadt Dresden, doch seit zweieinhalb Jahren tut er dies in besonderer Weise. Das öffentliche Gedächtnis verbindet vieles vom Geschehen aus dieser Zeit mit dem Platz, auf dem auch die Frauenkirche steht: Demonstrationen der Pegida-Bewegung. Menschen, die am Tag der Einheit gegen Merkel und Gauck und andere pöbeln. Menschen, die gegen Busse pöbeln.

Zur Symbolik gehört auch, dass da nie ganz Dresden oder die Dresdner Bürger im Sucher der Kameras standen, sondern stets nur ein kleiner Teil selbiger. Über diesen aber definierte sich das öffentliche Bild und so ist es auch an diesem Montag, an dem der Platz sein Symbolkapital ein weiteres Mal auflädt. Am Vormittag soll es um die Kunst gehen, am Abend um Politik, aber das eine schwappt in Dresden immer auch ins jeweils andere, die Kunst ist politisch, manches Politische wirkt künstlich.

Am Vormittag, kurz vor 11 Uhr, scheint am Neumarkt noch alles frühlingsnormal, das Grau drückt vom Himmel, Segways surren im kriegerischen Verbund durch das, was Stille sein könnte, ein Vogel scheißt auf den bronzenen Lutherkopf vor der Frauenkirche. So vergehen zäh die Minuten, bis eine Irritation ins Bild tapert, ein kleiner Mann mit Hut und Sachsen-farbiger Krawatte.

Bei sich trägt er eine rosa Hitsche, so und nicht anders werden hier Fußbänke benannt. Der Mann hat auch eine in Sperrholz gesägte Silhouette dabei, ein Halbmond krönt deren Spitze. Der kleine Teil Dresdens, der auch heute treu auf den Neumarkt gekommen ist, sieht das und jubelt: "Uwe, Uwe!"

So beginnt die dritte Runde einer neuen Dresdner Spezialität, die seit kurzem auf dem Neumarkt aufgeführt wird. In Runde eins ließ der Künstler Manaf Halbouni drei Busse senkrecht errichten, um an den Krieg in Syrien zu erinnern. Es gab hässlichen Protest.

Seit knapp drei Wochen steht Folgekunst im öffentlichen Raum. Das "Denkmal für den permanenten Neuanfang" besteht aus einer rosa benebelten Hebebühne, das Stangen- und Körper-Durcheinander darauf sieht irgendwie betrunken aus. Es gab auch dagegen hässlichen Protest, speziell gegen die geplante Standzeit sowie deren vereinzelte Begründung: zwei Jahre sei kein Tag zu lang, die Dresdner bräuchten gewiss eine Weile, bis sich ihnen der Geist des Denkmals erschließe.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite