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Dresden:Anschlag auf Moschee 

Kurz vor den Feierlichkeiten zur deutschen Einheit detonieren in Sachsens Hauptstadt zwei Sprengsätze. Die Polizei sieht ein fremdenfeindliches Motiv - und bewacht nun islamische Einrichtungen.

Von Cornelius Pollmer und Ronen Steinke, Dresden/München

Wenige Tage bevor Dresden die zentralen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit ausrichtet, haben Unbekannte in der Stadt zwei Sprengstoffanschläge verübt. Am späten Montagabend detonierte zunächst ein Sprengsatz vor einer Moschee. Eine halbe Stunde später zündete ein ähnlicher Sprengkörper auf der Terrasse eines Kongresszentrums.

Verletzt wurde niemand, jedoch reichte die Sprengkraft in beiden Fällen aus, um erheblichen Sachschaden anzurichten. Durch den Sprengsatz an der Moschee wurde die Tür nach innen gedrückt. Es habe die Gefahr bestanden, dass das gesamte Gebäude Feuer fängt, erklärte die Polizei.

Zum Zeitpunkt der Detonation befanden sich der Imam mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Moschee.

Die Ermittler gehen wegen der zeitlich dichten Abfolge von einem Zusammenhang zwischen den Anschlägen aus, teilte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar am Dienstag mit. Zwar ermittele man in alle Richtungen. Allein die Tatsache aber, dass eine Moschee als Ziel ausgesucht worden sei, lasse einen fremdenfeindlichen Hintergrund vermuten. Ein Bekennerschreiben lag zunächst nicht vor.

Die Polizei wehrte sich gegen Kritik, erst zehn Stunden später die Öffentlichkeit informiert zu haben. In der Nacht habe es erste Hinweise gegeben, die zu einem Treffer hätten führen können, begründete Kretzschmar die Entscheidung, zu warten. Übergriffe auf Ausländer haben in Dresden wie auch in anderen Städten zuletzt stark zugenommen. Das Land Sachsen steht in der Statistik der rechten Gewalt inzwischen bundesweit an zweiter Stelle. Die fünf wesentlichen islamischen Einrichtungen im Großraum Dresden erhielten Objektschutz, hieß es am Dienstag.

Sprengstoffanschläge in Dresden

Erheblicher Sachschaden: Einer der Anschlagsorte in Dresden.

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Wegen der Wahl des Kongresszentrums geht die Polizei zudem von einem Zusammenhang der Anschläge mit den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit aus, die in Dresden vor allem für den kommenden Montag geplant sind. Der Empfang von Bundespräsident Joachim Gauck soll in just diesem Gebäude stattfinden. Die Polizei und Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) haben die für die Feiern geplanten Sicherheitsmaßnahmen vorgezogen, sie gelten in Dresden von sofort an. Insbesondere sei der für ein Bürgerfest geplante Kontrollbereich sofort aktiviert worden.

Während Politiker wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) ihr Entsetzen über die Anschläge ausdrückten, hielten sie sich mit einer politischen Bewertung noch zurück. Fremdenfeindliche Gewalt ist seit dem vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen, nach der Zählung des Bundeskriminalamts waren es 2015 insgesamt 8529 solche Taten, mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor (3945). Die Stadt Dresden erwartet von Samstag an etwa 750 000 Gäste an drei Tagen. Neben den Festgästen, zu denen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehören wird, erwartet die Polizei auch zahlreiche Demonstranten. Linke Gruppen mobilisieren genauso wie die Pegida-Bewegung. Laut Polizei werden in Dresden 2600 Einsatzkräfte zusammengezogen.

© SZ vom 28.09.2016

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