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Kämpfe in Syrien:Assad spricht von einer entscheidenden Schlacht

Erstmals seit einem Anschlag auf die Führung des Regimes in Damaskus meldet sich der syrische Präsident Assad wieder zu Wort - und preist in einer Erklärung den Kampfgeist seiner Soldaten. Amnesty International wirft den Regierungstruppen hingegen vor, in der Wirtschaftsmetropole Aleppo friedliche Demonstranten, ältere Menschen und Kinder getötet zu haben.

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat in einer schriftlichen Erklärung die Kampfbereitschaft seiner Soldaten beschworen. "Das Schicksal unseres Volkes und unserer Nation - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - hängt von dieser Schlacht ab", erklärte Assad.

Der Präsident hat sich seit zwei Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit geäußert - seit bei einem Anschlag in der Hauptstadt Damaskus führende Sicherheitskräfte getötet wurden. "Mein Vertrauen in Euch ist groß", sagte der Präsident nun an die Adresse der Soldaten gerichtet. Außerdem beschuldigte er Feinde aus dem Ausland, "interne Agenten" zur Untergrabung der Stabilität des Landes einzusetzen.

Die syrische Armee hat bei den Kämpfen um die Wirtschaftsmetropole Aleppo nach Angaben von UN-Beobachtern auch Kampfflugzeuge eingesetzt. Die UN-Beobachter in Aleppo hätten am Dienstag gesehen, dass ein Kampfflugzeug auf die zweitgrößte syrische Stadt geschossen habe, sagte die Sprecherin der UN-Beobachtermission in Syrien, Sausan Ghosheh.

Türkei startet Manöver an der Grenze

Als Zeichen der Stärke gegenüber kurdischen Separatisten haben die türkischen Streitkräfte ein Manöver an der syrischen Grenze gestartet. Rund 25 Panzer fuhren nördlich der möglicherweise von kurdischen Rebellen kontrollierten syrischen Stadt Kamischli auf und sollen dort mehrere Tage lang Einsätze bei hoher Geschwindigkeit üben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Vortag gewarnt, sein Land werde keine Sicherheitsbedrohungen hinnehmen.

Die syrischen Streitkräfte sind in Aleppo offenbar auch gegen Unbeteiligte und Kinder vorgegangen. Das geht aus einem Bericht von Amnesty International hervor, der auf Recherchen der Menschenrechtsorganisation von Ende Mai in Aleppo basiert. Amnesty sieht im Angriff der Regierungstruppen auf die Stadt den Höhepunkt eines monatelangen brutalen Vorgehens gegen Andersdenkende, heißt es darin.

Der Report dokumentiert nach Darstellung von Amnesty, wie Regierungstruppen und die regimetreue Schabiha-Miliz Protestierende getötet und verletzt haben. Offenbar gingen die Streitkräfte auch gegen friedliche Demonstranten mit brutaler Gewalt vor. Dutzende junger Männer, aber auch einige Kinder sowie ältere Personen seien erschossen worden. "Einige der Opfer waren Zuschauer, die gar nicht an den Demonstrationen teilgenommen hatten", hieß es in dem Bericht. Die Familien der Toten seien genötigt worden, in Stellungnahmen zu versichern, dass ihre Angehörigen von "bewaffneten terroristischen Gruppen" getötet wurden.

Lage der Zivilbevölkerung immer katastrophaler

Die Lage der Zivilbevölkerung in Aleppo wird immer katastrophaler. Aufständische und Regimetruppen lieferten sich am Dienstag erbitterte Gefechte. Hunderttausende sind bereits geflohen, viele andere sitzen fest. Die unübersichtlichen Fronten ziehen sich mitten durch Wohngebiete. Die Menschen suchten zu Tausenden Schutz in Moscheen und öffentlichen Gebäuden, sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Melissa Fleming, in Genf.

In der Hauptstadt Damaskus weiteten sich die Kämpfe aus. Nach Angaben von Aktivisten gab es erstmals in der Nähe zweier christlicher Bezirke Auseinandersetzungen zwischen syrischen Soldaten und Aufständischen. Dabei soll ein Mensch getötet worden sein. Die Kämpfe hätten im Morgengrauen in den Gegenden rund um die Viertel Bab Tuma und Bab Scharki stattgefunden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Es sei mindestens ein Soldat getötet worden. Gefechte in diesen Gebieten habe es zuvor noch nicht gegeben, da die Rebellen zu den Vierteln bislang keinen Zugang gehabt hätten, teilte die in London ansässige Organisation mit.

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