Donald Trump vor TV-Debatte:Viele Belege für Trumps politische Wandlungsfähigkeit

Politisch mögen vage Versprechen von Steuersenkungen, Minimal-Regierung oder dem Ende von Obamas Gesundheitsreform noch genehm sein; der schlechte Stil - auch gegenüber Parteifreunden - und die häufig ins Rassistische driftende Anti-Einwanderungs-Rhetorik gehen selbst jenen zu weit, die den Rechtsdrift der Republikaner in den vergangenen Jahren stillschweigend tolerierten.

Das Schweigen der Moderaten folgte dem bislang gültigen Prinzip, dass die extremeren Positionen im Laufe des Vorwahlkampfes abgeräumt werden - und mit ihnen die Kandidaten, die sie vertreten.

So reich, dass er nicht käuflich ist

Dass Trump derzeit allerdings nicht nur beim nativistisch geprägten (weißen) Rand der Partei punktet, sondern in fast allen wichtigen Wählerkategorien der Republikaner die Umfragen anführt, dürfte selbst Hardliner wie Ted Cruz oder Rand Paul mit Sorge erfüllen. Sollte das vor allem unter Republikanern beliebte Schimpfen gegen die Washingtoner Eliten ausgerechnet den Kandidaten nach oben spülen, der verspricht, zu reich zu sein, um von Interessengruppen gekauft zu werden?

In der Vergangenheit hießen die Sommer-Eintagsfliegen der Partei Herman Cain, Rudy Giuliani oder Michele Bachmann. Und auch bei Trump selbst ist noch nicht geklärt, welche Rolle er überhaupt spielen möchte, wie sehr er einfach Selbst-PR um der Selbst-PR willen betreibt.

Eines unterscheidet Trump aber von Cain & Co: Er hat so viel Geld, dass ihn fehlende Ressourcen und der Liebesentzug eines reichen Spenders nicht stoppen können. Es wäre ein Fehler, ihn nicht als Unterhaltungsphänomen zu begreifen. Es wäre allerdings auch ein Fehler, ihn nur als Unterhaltungsphänomen zu begreifen.

Trump verkörpert weniger den erfolgreichen Unternehmer und unberechenbaren Freistil-Redner, als den wütend vor sich hinbrüllenden Mann von der Straße. Und je lauter er brüllt und dabei in der Parteibasis auf offene Ohren stößt, desto schriller muss der Rest der Kandidaten sich Gehör verschaffen. Das sind keine guten Aussichten für eine Partei, dessen Präsidentschaftsbewerber sich weiterhin auch dem weniger wütenden Rest des Landes zur Wahl stellen muss - und Latinos, Schwarze und Frauen besser von sich und der Grand Old Party überzeugen muss als Mitt Romney 2012.

Flip-Flop-Donald

Aber natürlich ist diese Frühphase eine relative Angelegenheit, näher der Trump'schen Unterhaltung als dem Wahlkampf im Herbst 2016, in dem es um Gesellschaftsentwürfe und Präsidialität geht. Diese letzten Hürden auf dem Weg ins Weiße Haus wird Trump gar nicht nehmen müssen, ihm dürfte jene Flüchtigkeit von Ansichten zum Verhängnis werden, die im republikanischen Lager als unverzeihlich gelten.

Politico-Autor Timothy Noah hat eine lange Liste von politischen Themen zusammengestellt, die Trump wie seine Parteizugehörigkeit (er war auch einmal Demokrat und spendete für Hillary Clintons Wahlkampf) ohne Zögern änderte. Von der Vermögensteuer über die Waffenkontrolle bis zur Gesundheitsreform finden sich viele Punkte, mit deren Hilfe ihn Rivalen als Flip-Flop-Donald darstellen könnten.

"Vielleicht haben mich die Leute einfach einmal satt", prognostizierte Trump vor einigen Wochen. Die Republikaner fürchten jedoch am meisten, dass ihn das überhaupt nicht stören wird. Mit seinen finanziellen Mitteln kann er weitermachen, so lange er möchte - im Zweifelsfall als unabhängiger Kandidat.

Das würde die Republikaner wichtige Stimmen kosten - so wie 1992, als mit Ross Perot ein konservativer Milliardär Bill Clinton half, das Weiße Haus zu erobern.

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