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Donald Trump und die EU:Notfalls ohne Trump

U.S. President Donald Trump walks behind French President Emmanuel Macron and German Chancellor Angela Merkel as they arrive for a family photo during the G7 Summit in Taormina

Weiter ohne Trump? Sollte es so kommen, wird Frankreichs Präsident Macron Merkels wichtigster Partner dabei sein.

(Foto: REUTERS)
  • Die G7-Partner haben viel zu bereden mit dem neuen US-Präsidenten. Unter anderem wollen sie ihn von der Wichtigkeit des Pariser Klimaabkommens überzeugen.
  • Doch was, wenn keine Annäherung mit Trump gelingt? Dann könnte es vor allem auf die Allianz zwischen Deutschland und Frankreich kommen.

Den Präsidenten und die Kanzlerin trennen Welten. Persönlich ist man sich erst wenige Male begegnet, die Vorbehalte aus der Zeit vor den Wahlen in den USA sind noch nicht ausgeräumt. Auch politisch knirscht es vernehmlich. Der Amerikaner mosert gegen die deutsche Wirtschaftspolitik. Angela Merkel spare zu viel, befindet Barack Obama. Die Kanzlerin hält dagegen. So war das vor knapp sieben Jahren, im Sommer 2010. Aller Anfang ist schwer - im Verhältnis Merkels zu US-Präsidenten war das immer so. In Heiligendamm, Merkels erstem G-8-Treffen unter eigener Regie, sträubte sich George W. Bush lange beim Klimaschutz. Mit Obama stritt die Kanzlerin nach der Finanzkrise darüber, wie die Weltwirtschaft zu stimulieren sei. Man raufte sich zusammen. Jetzt, mit Donald Trump, türmen sich die Differenzen: Handelsfragen, Klimaschutz, Militärausgaben. Erst am Donnerstag polterte er gegen den deutschen Exportüberschuss: "Schlecht, sehr schlecht."

Den G-7-Gipfel wichtiger Industriestaaten am Freitag im sizilianischen Taormina begleitete deshalb vor allem eine Frage: Wenn es mit anderen erst schwierig war und später besser wurde - besteht dann mit Trump nicht auch noch Hoffnung? Ein Indikator dafür wird die Treue der USA zu internationalen Abkommen sein. Auch ein Präsident wie Obama versprach am Anfang, sich stärker um nationale Politik und die Wirtschaft in den USA zu kümmern, quasi ein abgeschwächtes "America first". Doch Obama verzichtete nicht nur auf die ausgrenzende Rhetorik eines Donald Trump, er stellte auch nie die multilateralen Strukturen der Weltpolitik infrage. Bei Trump ist man sich da in Berlin nicht so sicher. Und als Nagelprobe gilt das Pariser Klimaabkommen: Bleiben die USA - oder geht Trump?

Die Uhr zeigte eine Minute nach zwölf Uhr mittags, high noon, als Trump und Merkel im Amphitheater von Taormina aufeinandertrafen. Ein Symbol dafür, dass alles schon zu spät ist? Oder würde man in dem kleinen G-7-Format, in dem die Staats- und Regierungschefs sich über Stunden freier austauschen können als in den Foren großer Gipfel, genauer erfahren, was mit Trump geht - und was nicht? Trumps Europa-Premiere am Vortag war nicht verheißungsvoll verlaufen.

Der Präsident rüpelte sich zum Erstaunen einiger Kollegen durch Brüssel. Als er die Nato-Partner wegen angeblich ausstehender Zahlungen an das Bündnis vor laufenden Kameras abkanzelte, war Merkel anzumerken, dass sie sich nichts anmerken lassen wollte. Sie weiß, dass ihre Gesichtszüge oft mehr sagen als ihre Worte.

In Taormina, beim Rundgang durch die Stadt, lief Trump lange allein hinter den anderen her. Merkel plauderte mit dem Japaner Shinzo Abe, nach ihr der dienstälteste Regierungschef im G-7-Kreis, und mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron - neben Trump, Theresa May und Gastgeber Paolo Gentiloni einer von vier Gipfel-Neulingen. Um 12.23 Uhr stand Trump das erste Mal für Kameras sichtbar zum Small Talk im G-7-Kreis. Um 12.55 Uhr sprach er Merkel von hinten über die Schulter an. Sie reagierte nicht. Merkel hat wiederholt mit Trump telefoniert. Es wird berichtet, dass er durchaus zuhöre. Aber an seinen Positionen ändert sich nichts. Oder doch? Der Präsident, der sich weniger um Außenpolitik kümmern wollte, wird sukzessive in die Weltpolitik hineingezogen. Er war gegen Militäreinsätze - und hat Syrien mit Raketen angegriffen. Er wollte Muslimen die Einreise verweigern - und hat nun freundliche Worte an die islamische Welt gerichtet. Er hat den Ausstieg aus dem Klimaabkommen angekündigt, aber vollzogen hat er ihn auch in Taormina nicht.

Gegen 17.45 Uhr zogen sich Merkel und Trump zu einem Vier-Augen-Gespräch zurück. Da erklärte die Kanzlerin ihm zu seiner Kritik am Handelsüberschuss erneut, dass es "nicht sachgerecht" sei, ein Land herauszugreifen - und das auch noch mit einseitigen Zahlen. So erzählt es Merkel später. Eine Arbeitsgruppe sei zum Thema vereinbart worden. Dem Präsidenten hätten außerdem alle Teilnehmer den Wunsch deutlich gemacht, "dass die USA das Klimaabkommen weiter mittragen", berichtete Merkel. Die Entscheidung fällt nun beim G20-Gipfel im Juli in Hamburg. Die Kanzlerin fährt zweigleisig: Sie und andere versuchen, Trump zu überzeugen, dass eine geeinte transatlantische Gemeinschaft keine Freundlichkeit gegenüber Europa ist, sondern im US-Interesse liegt. Merkel sieht eine wachsende Dominanz Chinas in der Handels- und Klimapolitik, wenn sich die USA separierten. Kann Trump das wollen? Als "lebendig und sehr ehrlich" bezeichnete Merkel in Taormina die ersten Gespräche.

Wenn das aber alles nichts nützt, gilt Merkels Satz von Mitte Januar: "Wir Europäer haben unser Schicksal selbst in der Hand." Ein wichtiger Ansprechpartner für sie ist deshalb der französische Präsident. Schon auf dem Nato-Gipfel tauschte sich Merkel zwischendurch immer wieder mit Macron aus. In Taormina hatten sich die beiden für einen G-2-Gipfel zu später Stunde am Freitagabend verabredet - nach dem offiziellen Programm.

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