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US-Wahlkampf:MAGA-Kappen statt Mund-Nasen-Schutz

Und die Hundertausenden friedlichen Demonstranten, die nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd am 25. Mai wegen Polizeigewalt auf die Straße gehen, für Trump sind sie alle Verrückte. "Wenn man diese Irren auf den Straßen sieht, da ist es doch verdammt schön, Waffen zu haben." Die Menge jubelt. Den Namen von George Floyd nimmt der US-Präsident nicht in den Mund.

Bleiben die vielen Menschen im geschlossenen Raum. Trumps Leute haben sich nicht die Mühe gemacht, Abstandsregeln aufzustellen. Statt den freien Raum zu nutzen, stehen die Leute dicht gedrängt, den Atem anderer Trump-Fans im Nacken. Statt Masken tragen sie MAGA-Kappen, die Abkürzung für "Make America Great Again" - der Slogan, mit dem Trump 2016 den Wahlkampf gewonnen hat.

Sechs Trump-Mitarbeiter positiv auf Corona gestetet

Mehr als 45 Millionen Menschen haben sich seit Beginn der Pandemie arbeitslos gemeldet. Die Wirtschaft erlebt den heftigsten Einbruch seit Jahrzehnten. Trumps Plan, mit einer starken US-Wirtschaft in den Wahlkampf ziehen zu können, hat das Corona-Virus zunichte gemacht. Er verspricht, dass das kommende Jahr wirtschaftlich das Beste in der Geschichte der USA werde. Denn das Virus - Trump spricht wieder vom "China-Virus" oder der "Kung Flu" - sei vollständig unter Kontrolle. Manche würden es Grippe nennen, sagt Trump. Und fragt: "Wo ist der Unterschied?"

Er erklärt dann noch er habe seine Regierung angewiesen, weniger zu testen, weil die hohen Zahlen keinen guten Eindruck machten. Eine Sprecherin bemühte sich hinterher, den Satz als einen "Scherz" von Trump umzudeuten.

So einem Virus lässt sich ja nicht unterstellen, dass es zu Sticheleien neigen könnte. Aber dass am Samstag sechs Mitarbeiter aus Trumps Vorbereitungsteam für diesen Auftritt positiv auf das Coronavirus getestet wurden, reiht sich auf seltsame Weise ein in die Peinlichkeiten. Passend dazu schossen in den beiden Tagen zuvor die Zahlen der Neuinfektionen in den USA auf jeweils mehr als 30 000 hoch. Über einige Wochen hatte sich die Zahl auf um und unter 20 000 eingependelt. Nach und nach aber hat ein Bundesstaat nach dem anderen auf Druck von Trump die Kontaktbeschränkungen zum Teil gelockert - womöglich zu früh. Das Ergebnis spiegelt sich in den Daten wider.

Die USA zählen jetzt mehr als 2,2 Millionen Infektionen und bald mehr als 120 000 Corona-Tote. Experten sagen, das Ende der ersten Welle sei dort noch lange nicht in Sicht.

Trump hält sich nicht lang mit solchen Fragen auf. Er redet lieber darüber, warum er Anfang der Woche nach der Abschlussfeier für die Absolventen der West Point-Militärakademie so unbeholfen eine flache Rampe hinuntergegangen war. So tatterig, dass dies Zweifel an seinem Gesundheitszustand heraufbeschwörte. Er braucht eine gute halbe Stunde um zu erklären, dass er zu lange in der Sonne gestanden, zu oft salutiert habe, die Rampe zu steil und zu rutschig gewesen sei, um da heil herunterzukommen. Der neben ihm gehende General schien weniger Probleme gehabt zu haben.

Hier geht es um die Show

Interessant aus deutscher Sicht: Trump testet den Plan, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen, als Wahlkampfthema. "Angela" lobt er als gute Verhandlerin, aber die USA seien in Deutschland, um Deutschland vor Russland zu schützen. Und jetzt zahle Deutschland an Russland viel Geld für Gas aus einer brandneuen Pipeline. "Entschuldigen Sie, wie passt das zusammen?", fragt er. Der Applaus war von einer Lautstärke, dass er es vielleicht nochmal probieren wird mit diesem Thema. Dass die US-Truppen in Deutschland derzeit vor allem den USA helfen, schnell in die Einsatzgebiete im Nahen Osten zu kommen, steht auf einem anderen Blatt.

Ansonsten erinnert alles stark an seine typischen Wahlkampfreden. Trump verdreht die Fakten, bis sie ihm passen. Er prahlt mit seinen angeblichen Erfolgen. Er übertreibt maßlos seine angeblichen Verhandlungskünste. Und stellt seinen mutmaßlichen Gegenkandidaten Joe Biden als leicht vertrottelten Dümmling dar, der zu verschnarcht sei, um Präsident werden zu dürfen.

Hier geht es nicht um Politik. Hier geht es um die Show. Eine Show, von der Gesundheitsexperten hoffen, dass sie sich nicht in zwei oder drei Wochen als Superspreader-Ereignis herausstellt, auf dem sich Dutzende oder gar Hunderte Menschen angesteckt haben.

© SZ.de/gal/khil
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:Dieser Text ist nicht neutral

Die weiße Mehrheitsgesellschaft gibt sich einer Illusion von Neutralität hin. Sie muss in Debatten mehr Nebeneinander akzeptieren und Zuhören lernen.

Kommentar von Sonja Zekri

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