USA:Donald Trump verharmlost Sturm auf US-Kapitol

USA: Am 6. Januar 2021 brachen Trump-Anhänger durch Absperrungen der Polizei und verschafften sich gewaltsam Zugang zum US-Kapitol.

Am 6. Januar 2021 brachen Trump-Anhänger durch Absperrungen der Polizei und verschafften sich gewaltsam Zugang zum US-Kapitol.

(Foto: Julio Cortez/AP)

In einem Interview sagte der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten unter anderem, dass es "eine Menge Liebe" gegeben habe. Damit dürfte er den Streit zwischen Demokraten und Republikanern weiter befeuern.

Inmitten der Streitereien um das Gremium zur Kapitol-Attacke sorgen Interview-Aussagen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump über den 6. Januar für Aufregung. "Und es war übrigens auch eine liebevolle Menschenmenge. Es gab eine Menge Liebe. Das habe ich von allen gehört", sagt Trump laut eines Audiomitschnitts (ab Minute 2:45) der beiden Washington Post-Reporter Carol Leonnig und Philip Rucker. Darüberhinaus behauptet er, die Polizei des Kapitols habe die Randalierer "hineingeführt". Beide Behauptungen wurden durch Videomaterial der Ereignisse und Recherchen von Journalisten längst widerlegt.

Leonnig und Rucker haben Trump für ihr neues Buch "I Alone Can Fix It: Donald J. Trump's Catastrophic Final Year" (etwa: Nur ich kann es richten: Donald J. Trumps katastrophales letztes Jahr) im März in Trumps Anwesen Mar-a-Lago gesprochen. Er glaube, es sei die größte Menschenmenge gewesen, zu der er jemals zuvor gesprochen habe, sagte Trump weiter.

Anhänger Trumps hatten am 6. Januar die zahlenmäßg weit unterlegene Polizei am Kapitol überrannt und den Sitz des US-Kongresses in Washington erstürmt. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Kapitol-Polizist. Dutzende Menschen wurden verletzt. Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen, weil er seine Anhänger zuvor in einer Rede aufgestachelt hatte. Am Ende des Verfahrens wurde der Republikaner freigesprochen.

In der kommenden Woche soll im Repräsentantenhaus der Ausschuss zur Untersuchung der Attacke auf das Kapitol beginnen. Zwischen Demokraten und Republikanern war es über das Gremium zuletzt zu Zerwürfnissen gekommen. Nancy Pelosi, die Vorsitzende der Kongresskammer, hatte zwei Kandidaten der Republikaner für das Gremium abgelehnt. Die beiden gelten als treue Anhänger Trumps. Der republikanische Minderheitsführer der Kongresskammer, Kevin McCarthy, drohte danach mit einem Boykott des Ausschusses.

"Das ist todernst", sagte Pelosi. "Es geht um unsere Verfassung, es geht um unser Land. Es geht um einen Angriff auf das Kapitol, der aus irgendeinem Grund auf Kosten der Wahrheitsfindung falsch dargestellt wird." Nach Äußerungen und Handlungen der abgelehnten Kandidaten wäre es "lächerlich", wenn sie Teil dieses Ausschusses wären.

Vergangenene Woche wurde die erste Haftstrafe im Zusammanhang mit der Attacke auf das Kapitol verhängt. Ein 38-Jähriger wurde wegen Behinderung eines behördlichen Verfahrens von einem Bundesbezirksgericht schuldig gesprochen und muss für acht Monate ins Gefängniss. Er war in die Senatskammer des Kapitols eingedrungen. Dieses Urteil gilt als wegweisend für andere Randalierer, die sich ebenfalls vor Gericht verantworten müssen. Insgesamt haben sich mehr als 500 Personen wegen Teilnahme an dem Angriff vor Gericht zu verantworten.

© SZ/dpa/pwe
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