bedeckt München

US-Wahlkampf:Trump: "Es ist schrecklich, Zweiter zu sein"

Republican U.S. presidential candidate Trump speaks during a campaign rally at West High School in Sioux City, Iowa

Donald Trump bei seiner Rede in der West High School von Sioux City.

(Foto: REUTERS)

Vor der TV-Debatte führt der Milliardär nicht mehr die Umfragen an. Also umschmeichelt der Republikaner die Wähler in Iowa - und beweist, dass die Donald-Show weitergehen wird.

Reportage von Matthias Kolb, Sioux City

Donald Trump ist besessen von Zahlen. Dies hat ihm fraglos geholfen, Milliardär zu werden, und auch im Wahlkampf redet er ständig über Umfragedaten. Diese dürften ihm einen Tag vor der dritten Republikaner-Debatte nicht gefallen haben: Laut New York Times liegt er erstmals seit Juli landesweit nicht auf dem ersten Platz - der schwarze Ex-Gehirnchirurg Ben Carson hat ihn überholt. Gleiches gilt für Iowa, wo am 1. Februar 2016 die erste Vorwahl stattfindet.

Insofern ist Trumps Wutausbruch wohl nicht nur gespielt, als er in Sioux City ruft: "Könntet ihr bitte dafür sorgen, dass meine Werte wieder nach oben gehen? Ich verspreche euch, ein toller Präsident zu sein!" Die 2375 Zuhörer in der Turnhalle der West High School jubeln. Er sei zwar nicht perfekt, so Trump: "Aber ich bin eindeutig am besten für den Job geeignet." Der Job - das ist das Amt des US-Präsidenten und viele stimmen dem Immobilienmogul zu.

"Er hat sich zum Milliardär hochgearbeitet, also wird er den Stillstand in Washington beseitigen", sagt Scott Utech. Trump werde als Präsident dafür sorgen, dass das Ausland die USA wieder respektiert, hofft der Rentner Rod Fonkert. Und der 47-jährige Bill Smith, der wie Fonkert als Freiwilliger bei "Trump 2016" mitarbeitet, ergänzt: "Er ist Geschäftsmann und weiß, wie die Dinge laufen. Er ist besser qualifiziert für das Weiße Haus, als Barack Obama es je war."

Der knapp einstündige Auftritt in der 80 000-Einwohner-Stadt Sioux City zeigt, dass die Show rund um "The Donald" noch lange weitergehen wird. Auch wenn viele Zuhörer aus den Nachbarstaaten Nebraska und South Dakota anreisten und die meisten Teenager wohl eher auf ein Selfie mit dem Reality-TV-Star hofften, lässt sich die Mehrheit noch immer von Trumps "Ich kümmere mich nicht um political correctness"-Haltung zu Jubelstürmen hinreißen.

"Ich werde dem IS doch nicht meine Pläne verraten"

Es ist das Versprechen, "Amerika wieder großartig" zu machen, das die Menge begeistert. "Wir werden so oft gewinnen, dass euch langweilig werden wird", tönt Trump. Seine Steuerreform werde dafür sorgen, dass US-Firmen ihre Fabriken wieder nach Hause verlagern und Jobs schaffen - und als guter Verhandler werde er die manipulierenden Chinesen in die Schranken weisen.

Auch für die verworrene Lage in Nahost hat Trump einen Plan, den er jedoch nicht erklärt: "Ich verrate dem IS doch nicht, was ich vorhabe." Nur ein "Dummkopf" wie Obama nenne einen genauen Abzugstermin für das Militär, ruft er: "Damals haben die Bösen im Irak doch einfach nur gewartet, bis dieser Tag gekommen ist." Die jetzige Regierung sei schlicht "inkompetent", sagt Trump, um fortzufahren: "Eigentlich sind sie einfach nur dumm. Ich weiß, man soll Leute nicht so bezeichnen, aber was tut man, wenn sie einfach dumm sind?"

Hier lacht das Publikum, das zu 90 Prozent aus Weißen besteht, besonders laut. Trumps Masche ist simpel, aber wirksam. "Es ist schrecklich, Zweiter zu sein", klagt Trump und wünscht sich mehr Engagement von den Wählern: "Ich weigere mich zu sagen, dass ihr eure Ärsche hochkriegen sollt. Nein, das sage ich nicht. Aber sorgt dafür, dass ich hier gewinne!"

Ähnlich groß ist der Jubel bei all den Trump-Aussagen, die pure Angeberei sind: "Man muss mutig sein, um Präsident werden zu wollen. Für mich ist es noch härter: Ich lasse meine Geschäfte ruhen, und wenn ich gewählt werde, dann kann ich alle meine tollen Hotels und Golfplätze in Florida und Schottland nicht mehr besuchen." Die Rivalen, die ihn nun attackieren, seien schlicht "Nullen".

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite