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USA:Zurück zu den Corona-Fakten

Fauci addresses the daily press briefing at the White House in Washington

"Völlig transparent, offen und ehrlich": Anthony Fauci beim ersten Pressebriefing in seiner neuen Funktion.

(Foto: REUTERS)

"Ein befreiendes Gefühl": Anthony Fauci ist nun der Chefstratege der neuen US-Regierung im Kampf gegen die Pandemie. Donald Trump hatte den obersten Seuchenbekämpfer des Landes attackiert und ignoriert.

Von Thorsten Denkler, New York

Als ein Reporter Anthony Fauci darauf anspricht, dass der gerade über die Unterschiede zwischen der Trump- und der Biden-Regierung gescherzt habe, da muss Fauci mal kurz dagegenhalten. "Sie sagen, ich habe Witze darüber gemacht?", fragt er und stellt klar: "Das war mein Ernst." Dabei lacht er auf, als hätte der Reporter nicht ganz verstanden, unter welchen Bedingungen er in den vergangenen Monaten versuchte, seinen Job zu machen.

Fauci ist Wissenschaftler, oberster Seuchenbekämpfer der USA, und war als solcher Teil der Corona-Taskforce des Weißen Hauses unter Donald Trumps Vize Mike Pence. Von nun an aber dient er dem neuen Präsidenten Joe Biden. Und steht in dieser Rolle am Tag nach Bidens Amtseinführung hinter dem Pult im Presseraum des Weißen Hauses, um Fragen von Journalisten zu beantworten.

Biden hatte Fauci schon vor der Wahl zu seinem Berater im Übergangsteam gemacht. Jetzt ist er Chefstratege für Bidens Corona-Politik. Welche Bedeutung der Wissenschaftler für den neuen Präsidenten hat, lässt sich daran erkennen, dass er der erste Experte der Biden-Regierung ist, der am Donnerstag auf die Bühne im Presseraum gebeten wurde.

Seit Wochen war er nicht mehr hier. Was auch daran liegt, dass Trump die Pandemie seit seiner Wahlniederlage im November weitaus weniger zu interessieren schien als die Frage, ob er nicht doch noch die Wahl drehen kann.

Biden dagegen packte die Pandemie schon am ersten Tag seiner Amtszeit an. Seit Mittwoch hat er ein Dutzend Corona-Verfügungen unterzeichnet und einen 198 Seiten umfassenden Pandemie-Bekämpfungsplan veröffentlicht. Es soll mehr Impfstoff dorthin geliefert werden, wo er gebraucht wird. Außerdem soll das Test-System in die Spur gebracht und der Datenabgleich verbessert werden. Mehr Geld für Medikamentenforschung ist auch im Paket. Und die Menschen sollen möglichst überall im Land Maske tragen. Eine Maskenpflicht gibt es dort, wo die Bundesregierung das Sagen hat. Die US-Wirtschaft wird zudem angewiesen, genug von allem zu produzieren, was aus medizinischer Sicht für die Bekämpfung der Pandemie nötig ist.

Fauci: "Wir sind völlig transparent, offen und ehrlich"

Als Fauci am Donnerstag die Bühne im Presseraum betritt, kommt er gerade aus dem Oval Office, und er hat noch eine gute Nachricht: Biden und er seien sich einig, dass "wir völlig transparent, offen und ehrlich" mit allen Fragen der Pandemie umgehen, sagt Fauci. Wenn etwas schiefgehe, "dann zeigen wir nicht mit den Fingern auf andere. Dann korrigieren wir die Fehler." Fauci verspricht: Die Corona-Politik der neuen US-Regierung werde sich allein von wissenschaftlicher Evidenz leiten lassen.

Die Erleichterung , die Fauci verspüren muss, ist leicht nachzuempfinden. "Ich kann Ihnen sagen, es macht mir keinen Spaß, einem Präsidenten zu widersprechen", sagt Fauci. Die Tatsache, dass er jetzt ungestört wissenschaftliche Fakten verbreiten darf, das sei schon ein "befreiendes Gefühl".

Der 80-jährige Fauci hat Trump erfolgreich ausgesessen. Sein Rezept: Das wissenschaftlich Nötige sagen, auch öffentlich. Aber Trump nicht unnötig provozieren. Selbst das aber habe ihm "manchmal ganz schön Ärger eingebracht".

Legendär ist die Szene vom März 2020, als sich Fauci vor laufenden Kameras an die Stirn fasste, weil Trump gerade wieder irgendwelche Verschwörungsmärchen von einem angeblichen "Deep State" erzählte. Manche hatten erwartet, dass Trump ihn danach feuern würde. Er soll auch ernsthaft darüber nachgedacht haben. Traute sich aber dann doch nicht.

Stattdessen versuchte er, Fauci mundtot zu machen. Ihm wurde verboten, sich in nationalen Medien zu äußern. Fauci ließ sich dann von Regionalmedien oder Bloggern befragen. Es waren Auftritte, die oft zu viralen Hits wurden.

Zum Schluss ignorierte die Trump-Regierung Fauci schlichtweg. Fauci zahlte dennoch einen hohen Preis. Er und seine Familie bekamen Morddrohungen, man wies ihnen deshalb Leibwächter zu.

Die Pandemie ist, wie überall auf der Welt, auch für die USA eine große Herausforderung. Biden versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Es lägen noch Monate harter Arbeit vor dem Land, bis es besser werde, sagte er am Donnerstag. Im kommenden Monat schon könnte die Marke von 500 000 Corona-Toten überschritten werden. Kürzlich erst mussten die USA erstmals mehr als 400 000 Tote melden.

Geht alles gut, könne es im Herbst so etwas wie Normalität geben, hofft der Seuchen-Experte

Fauci ist dennoch zuversichtlich. Wenn Bidens Plan aufgehe, in 100 Tagen 100 Millionen US-Bürger geimpft zu haben, sei das Land auf einem guten Weg. Bis Ende des Sommers könnten so etwa 80 Prozent der Bevölkerung mit einem Impfschutz ausgestattet sein. Im Herbst könne es dann "wieder so etwas wie Normalität im Land geben", sagte Fauci. Vorausgesetzt, die Bevölkerung macht mit und lässt sich in großer Zahl impfen.

Trump hatte am Anfang der Pandemie noch erzählt, das Virus werde auf magische Weise verschwinden. Derartige Aussagen sollen nicht mehr vorkommen. "Eines der Dinge, die in dieser Regierung neu sind", sagte Fauci: "Wenn Sie die Antwort nicht kennen, dann raten Sie nicht. Dann sagen Sie einfach, dass Sie die Antwort nicht kennen." Die Lage in den USA könnte anders sein, wenn das schon vor einem Jahr die Regel gewesen wäre.

© SZ/jsa/mcs
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