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Documenta:Wie man die Kunstschau kaputtmacht

Der Oberbürgermeister von Kassel rettet die Kunstschau nicht, er ruiniert sie.

Von Catrin Lorch

Das Superkunstjahr endet - und ausgerechnet die Documenta ist nachhaltig beschädigt. Dabei zählte die jüngste Ausgabe der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst mehr als eine Million begeisterte Besucher. Die Geschäftsführerin Annette Kulenkampff gibt "im gegenseitigen Einverständnis" im Juni ihren Posten auf. Mit der Personalie wollen sich Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und der hessische Kunstminister Boris Rhein nun als Krisenmanager aufspielen.

Sie sind getrieben von der Sorge, sie könnten für eine Finanzierungslücke in Höhe von fünf Millionen Euro verantwortlich gemacht werden. Auf Kosten der Documenta hatten sie in den vergangenen Monaten schon den künstlerischen Leiter Adam Szymczyk vorgeführt, sein Konzept diffamiert und anschließend Wirtschaftsprüfer beauftragt, Fehler in der Geschäftsführung aufzudecken. Doch waren die nicht zu finden. Und so wird der designierte Sündenbock, Annette Kulenkampff, mit Dank für das Geleistete verabschiedet. Doch warum trennt man sich dann überhaupt?

Bis zum Herbst 2018 muss ein neuer künstlerischer Leiter berufen werden; Kulenkampff hat nun weder die Zeit dafür, die Findungskommission zu begleiten, noch dafür, wie von ihr angemahnt, das Management zu modernisieren. Oberbürgermeister Geselle hat die Documenta nicht gerettet, er ruiniert sie.

© SZ vom 29.11.2017

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