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Diversität:Golf ist das neue Basketball

Stephen Curry

Stephen Curry beim Golfen in Washington.

(Foto: Andrew Harnik/AP)

US-Star Stephen Curry will mehr Schwarze in dem elitären Sport.

Es ist nicht ungewöhnlich in den USA, dass reiche Menschen Geld an Universitäten spenden. Insofern war es keine große Überraschung, als vor einigen Tagen bekannt wurde, dass der ausgezeichnet verdienende Basketballspieler Stephen Curry der Howard University in Washington einen "siebenstelligen Betrag" überweisen will; zumal Curry Afroamerikaner ist und Howard die renommierteste schwarze Hochschule in Amerika.

Das Besondere an der Spende war ihr Zweck: Die Universität soll mit dem Geld eine Golf-Mannschaft aufbauen.

Stephen Curry kennt sich in beiden Sportarten bestens aus. Der 31-Jährige gilt als der vielleicht beste Basketballer aller Zeiten; mit seiner Mannschaft, den Golden State Warriors aus San Francisco, hat er drei Mal die US-Meisterschaft gewonnen. Daneben ist Curry aber auch ein leidenschaftlicher Golf-Spieler - nicht auf professionellem Niveau, aber doch gut genug, um "die meisten Freizeitgolfer einzustampfen", so die New York Times.

Nun liegen zwischen Golf und Basketball in den USA nicht nur in sportlicher Hinsicht Welten, sondern auch in sozialer. Wer als Jugendlicher welchen Sport macht, hängt dort ganz wesentlich vom Wohnort und Einkommen der Eltern ab - und damit oft von der Hautfarbe. Breitensport wird in Amerika nicht wie in Deutschland von staatlich subventionierten Vereinen organisiert, sondern von Privatfirmen, die viel Geld verlangen. Sportarten wie Golf, Schwimmen, Lacrosse und Hockey, aber auch Fußball und Baseball, die als elitär gelten oder für die man eine teure Ausrüstung braucht, werden daher vor allem von Weißen betrieben. Die meisten Schwarzen spielen, was die öffentlichen Schulen anbieten: Basketball und American Football.

Deswegen war es zum Beispiel so eine Sensation, als die schwarze Schwimmerin Simone Manuel 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zwei Goldmedaillen gewann. Gerade Schwimmtraining ist in den USA sehr teuer, da es vielerorts keine öffentlichen Bäder gibt und die Mitgliedschaft in einem privaten Pool Tausende Dollar kosten kann.

Auch Tiger Woods, lange Zeit der beste Golfer der Welt, lief bei Turnieren oft als einziger Afroamerikaner über den Platz. Denn für viele Schwarze ist der Sport unbezahlbar. "Warum soll ich 30 Dollar am Tag ausgeben, um Golf zu spielen, wenn ich für 30 Dollar im Monat zum YMCA gehen und Basketball spielen kann?", hat der schwarze Golfer Harold Varner dieses Dilemma einmal beschrieben.

Und weil der Nachwuchs fehlt, setzt sich die Segregation bei den Profis fort. In der Baseball-Liga MLB sind nach Zahlen des Institute for Diversity and Ethics in Sport, einer Forschungseinrichtung in Florida, fast 58 Prozent der Spieler weiß, gut 32 Prozent sind Latinos. Schwarze machen kaum acht Prozent der Spieler aus. In der Basketball-Liga NBA und der Football-Liga NFL sieht es völlig anders aus: Etwa 70 Prozent der Spieler sind dort Schwarze, nur um die 20 respektive 30 Prozent sind weiß.

Stephen Curry hofft, dass seine Spende das sportliche Ungleichgewicht zumindest etwas ausbalanciert. "Das hier geht über Golf hinaus", sagte er, als er seine Pläne an der Howard University vorstellte. "Das ist groß."