Diskussion um Waffenrecht in den USA Wie andere Länder den Besitz von Waffen regeln

Freie Wahl beim Waffenhändler? In Deutschland haben das nur die Sportschützen, Waffenbesitzer in Australien müssen strenge Regeln befolgen und in Russland ist es Zivilpersonen ganz verboten, eine Schusswaffe zu führen. Drei Wege, den Zugang zu Pistolen und Gewehren zu erschweren.

Von Joachim Käppner, Clemens Markus, Julian Hans

Der Verkäufer eines Waffengeschäftes in Wichita, Kansas greift in einer Auslage nach einer Pistole. Nach dem Amoklauf in Newtown, Connecticut am vergangenen Freitag ist das Waffenrecht in den USA wieder in der Diskussion.

(Foto: Larry W. Smith/dpa)

Es gibt mehrere Möglichkeiten, potenzielle Attentäter von ihren Verbrechen abzuhalten. Eine davon ist, die Verfügbarkeit von Handfeuerwaffen zu begrenzen. Alter, persönliche Eignung, Sicherheitslehrgänge - die Länder haben verschiedene Wege beschritten, solche Gräueltaten wie in Newtown zu verhindern. Drei Beispiele, wie Gesetze und die Verfügbarkeit von Handfeuerwaffen weltweit geregelt sind.

  • Deutschland

Deutsche Politiker rühmen sich gern, die Bundesrepublik habe "eines der schärfsten Waffengesetze der Welt". Zum Beispiel ist die Aufbewahrung einer Pistole in einer Tasche so streng geregelt, dass mehrere Verschlüsse einen spontanen Griff zur Waffe verhindern. Leider hat das Gesetz einen Nachteil: Es gilt nicht für alle Deutschen.

Für einen normalen Bürger ist es in der Tat sehr schwer, sich legal eine scharfe Schusswaffe zu besorgen. Nur einige Tausend Menschen - Amtsträger wie Polizisten und Jäger ausgenommen - dürfen eine solche zum Selbstschutz führen.

Die große Ausnahme sind die Sportschützen. Wer Mitglied eines Schützenvereins ist und eine überschaubare Zahl von Auflagen erfüllt, hat fast freie Wahl beim Waffenhändler. Bei den meisten deutschen Amokläufen, die inzwischen mehr Tote gefordert haben als die Morde der RAF, stammten die Tatwaffen aus dem Arsenal eines Sportschützen. Ganz legal horten sie mehrere Millionen Pistolen und Gewehre.

Dafür, dass sich daran nichts ändert, sorgt die Lobbyarbeit des in den Wahlkreisen tief verwurzelten Deutschen Schützenbundes mit 1,4 Millionen Mitgliedern. Wie erfolgreich er die Abgeordneten unter Druck setzt, zeigte sich nach den Amokläufen. Jedes Mal erklärten Politiker fast aller Parteien: So schlimm das alles sei - man dürfe deshalb nicht alle Schützen unter Generalverdacht stellen. Dass niemand das getan hatte, spielte keine Rolle.

  • Australien

Die Zeitenwende im Waffenrecht ist in Australien an einem Sonntagnachmittag angebrochen, genauer gesagt am 28. April 1996. Damals erhob sich der 28-jährige Martin Bryant von seinem Tisch in einem Café in Port Arthur auf Tasmanien und eröffnete unvermittelt das Feuer. 32 Menschen starben durch die Kugeln aus seiner halbautomatischen Waffe, drei weitere wenig später.

Unter dem Eindruck des größten Massakers in der australischen Geschichte startete Premier John Howard eine Initiative und einigte sich mit den Bundesstaaten auf eine nationale Verschärfung des Waffenrechts.

Die einschlägigen Lobby-Organisationen protestierten lautstark, doch international wird Australien seitdem oft als Vorbild gehandelt: Der Verkauf und Besitz automatischer und halbautomatischer Gewehre ist verboten. Zudem müssen sich alle Waffenbesitzer nach landesweit einheitlichen Kriterien registrieren lassen, zudem gelten strenge Regeln für den Besitz.

Wer sich Waffen zulegen will, muss heute mindestens 18 Jahre alt sein, einen Sicherheitslehrgang absolviert haben und neben seiner Eignung für bestimmte Waffentypen auch eine Notwendigkeit nachweisen können, wobei ein persönliches Sicherheitsbedürfnis als Begründung nicht ausreicht.

Um die Zahl der Waffen in privater Hand zu senken, investierte die australische Regierung zugleich Hunderte Millionen Euro: Sie kaufte etwa 650.000 Waffen ihren Besitzern ab, weitere Zehntausende wurde freiwillig abgegeben.

  • Russland

Wenn Waffenfreunde nach Argumenten gegen strengere Gesetze suchen, dann verweisen sie gern auf Russland. Dort ist Zivilpersonen der Besitz von Pistolen und Gewehren nicht erlaubt; gleichzeitig weist das Land aber eine der höchsten Mordraten weltweit auf.

Fast 16.000 Menschen wurden nach einer Statistik der Vereinten Nationen 2009 in Russland umgebracht. Das sind 11,2 Tötungsopfer je 100.000 Einwohner. Die Quote ist damit mehr als doppelt so hoch wie in den USA, wo Waffen frei verkauft werden.

Sie fiele noch viel höher aus, würden nicht viele Tote aus der Statistik herausgehalten. So legt es zumindest eine Studie nahe, die im Auftrag der russischen Generalstaatsanwaltschaft im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Demnach ist die Zahl der Opfer seit den Neunzigerjahren beständig gestiegen - auf mehr als 46.000 im Jahr 2009. Sie tauchten allerdings in keiner Statistik auf, da die Polizei sich immer wieder weigere, Anzeigen aufzunehmen, weil ihr Erfolg an der Aufklärungsquote gemessen werde.

Als Grund für die hohe Tötungsrate trotz strikter Waffengesetze wird unter anderem die hohe Verbreitung illegaler Waffen genannt. Immer wieder werden Fälle bekannt, bei denen Waffen aus der Armee abgezweigt wurden. Dennoch hatte es im Sommer aus der Partei Einiges Russland heraus eine Initiative zur Legalisierung von Waffen zur Selbstverteidigung gegeben.

Solchen Ideen erteilte Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew jetzt eine klare Absage: "Wir sollten auf keinen Fall diesen Weg einschlagen", betonte er in einem Nachsatz zu seiner Beileidsadresse an die USA.