In der CDU mehren sich die Stimmen, die Zahl der Vize-Parteiposten aufzustocken, um eine Kampfkandidatur zu vermeiden. In der CDU-Bundeszentrale hieß es, man wolle alle Vorschläge "unvoreingenommen prüfen". Zuvor hatten sich sowohl Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich als auch seine saarländische Kollegin Annette Kramp-Karrenbauer dafür ausgesprochen, die Zahl von vier auf fünf Stellvertreter zu erhöhen.

Ausgelöst wurde die Debatte durch den Verzicht von Forschungsministerin Annette Schavan auf eine erneute Kandidatur als CDU-Vizechefin auf dem Bundesparteitag im Dezember. Sowohl der zweitstärkste Landesverband Baden-Württemberg als auch rheinland-pfälzische CDU-Politiker hatten Anspruch auf den Posten erhoben.
Kramp-Karrenbauer ihrerseits will nicht kandidieren, sondern die rheinland-pfälzische Landeschefin Julia Klöckner unterstützen. Gleichzeitig forderte sie aber, dass auch "eine so wichtige Kraft wie der Landesverband Baden-Württemberg" angemessen vertreten bleibt.
Schavan selbst findet wie ihre Parteikollegen Gefallen an der Idee, einen weiteren Vize-Chefposten zu installieren, wie sie der Südwest Presse sagte: "Es gab schon sieben stellvertretende CDU-Vorsitzende, es gibt jetzt vier, es kann auch fünf geben."
Aktuell hat Parteichefin Angela Merkel vier Stellvertreter. Die Wiederwahl von zwei bisherigen Vize-Parteichefs - Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (Niedersachsen) - gilt als sicher. Für den entlassenen Umweltminister Norbert Röttgen soll der neue NRW-Landesvorsitzende Armin Laschet einen der Stellvertreter-Posten erhalten.
In der CDU wechselte die Zahl der Stellvertreter-Posten bereits mehrfach. Zwischen 1977 und 1989 gab es nach Angaben aus der CDU-Zentrale sieben Stellvertreter des Parteichefs. 1990 hatte Parteichef Helmut Kohl nach der Wiedervereinigung mit Lothar de Maizière dagegen nur einen einzigen Vize. Seit 1992 verfügt die CDU über vier stellvertretende Vorsitzende.