bedeckt München 32°

Diskussion über Klimawandel in den USA:Romney revidiert Meinung zum Klimawandel

Dem zollt auch Mitt Romney Tribut, der Präsidentschaftskandidat. Als Gouverneur von Massachusetts hatte Romney sich um eine pragmatische Umwelt- und Klimapolitik bemüht. Noch vor zwei Jahren schrieb der Republikaner in einem Buch, das in Tampa an jeden Delegierten kostenlos verteilt wurde: "Ich glaube, dass es Klimawandel gibt. Und ich glaube auch, dass menschliches Handeln ein Faktor ist, der dazu beiträgt." Vor knapp einem Jahr jedoch, zu Beginn des Vorwahlkampfs, revidierte Romney sich. Vor einem Kreis wohlhabender Großspender der Partei erklärte er, "dass wir nicht wissen, was den Klimawandel auf diesem Planeten verursacht".

Linke Beobachter deuteten dies als Verbeugung vor der Öl- und Gas-Industrie, die die republikanische Kampagne mit Millionenspenden befeuert. Erst vorige Woche stellte der Kandidat ein Energieprogramm vor, das der Branche eine großzügigere Erschließung von Amerikas Öl- und Gasreserven verspricht. Ebenso will Romney die umstrittene Pipeline zu Kanadas Teersand-Lagern bauen lassen und das in den USA boomende "Fracking" fördern, bei dem mit Wasser und Chemikalien Öl und Gas aus der Erdkruste gepresst werden.

Ziel sei, mit mehr Eigenproduktion und mehr Energie-Importen aus Mexiko und Kanada eine "nordamerikanische Energie-Unabhängigkeit" zu erlangen- und sich so abzukoppeln von Einfuhren aus dem unsicheren Nahen Osten. Klimapolitik kam in diesem Szenario nicht weiter vor. Zwar zählt der Ökonom Greg Mankiw, der seit Jahren für eine CO2-Steuer wirbt, weiterhin zu Romneys Beratern. Aber selbst wenn Romney dessen Ideen aufgreifen würde - die eigene Partei würde sich ihm strikt verweigern.

Diesmal ist Tampa davongekommen. Was der Millionenstadt bei ungebremstem Klimawandel bevorsteht, hat Marshall Shepherd, künftiger Präsident von Amerikas Meteorologen-Gesellschaft, ausgemalt: Der Wasserspiegel in der Bucht werde bis 2070 mindestens um 30 Zentimeter steigen, vielleicht um zwei Meter. Florida werde wegen mehr Hitze, stärkeren Regenfällen, wilderen Hurrikanen bis 2025 rund 300.000 Jobs verlieren. Shepherd appellierte an die Delegierten in Tampa, sie mögen sich "den Beweisen beugen, nicht der Ideologie". Aber darüber redet niemand im Glaspalast.