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Diplomatischer Streit zwischen Iran und Großbritannien:"Die Nation ist entzückt"

Die EU bereitet nach dem Sturm auf die britische Botschaft in Teheran ein Öl-Embargo gegen Iran vor - dort nimmt man die Botschaftsbesetzer unbeirrt in Schutz. Sämtliche Festgenommenen wurden nach einer Nacht wieder entlassen, iranische Politiker lobten die sogenannten Studenten. Doch handelte es sich tatsächlich um Studenten? Manche Iraner haben einen Verdacht.

Elf iranische Botschaftsbesetzer sind am Mittwochabend freigelassen worden. Sie waren am Dienstag in Teheran wegen des gewaltsamen Eindringens in die britische Vertretung von der Polizei verhaftet worden. Sie werden von der iranischen Nachrichtenagentur Fars als "Studenten" bezeichnet.

Hundreds of Iranian students protesters stormed the British embas

Iranische Demonstranten bei der Stürmung der britischen Botschaft in Teheran: Sind sie Angehörige der Bassidsch-Miliz?

(Foto: dpa)

Für ihre Entlassung wird kein Grund angegeben. Der Teheraner Polizeichef, der ein scharfes Vorgehen gegen die Gesetzesbrecher angekündigt hatte, steht Präsident Mahmud Ahmadinedschad nahe. Der Staatschef hat zu dem Zwischenfall noch keine Stellung bezogen.

Wie es heißt, hatten die zuständigen Behörden eine Protestdemonstration vor der britischen Botschaft genehmigt. Anders wäre eine Ansammlung von Tausenden im Zentrum der Hauptstadt, wo sich Botschaften und Regierungsgebäude befinden, nicht möglich gewesen. Selbst kleine regimefeindliche Kundgebungen waren im Lauf des Jahres im Keim erstickt worden. Der Botschaftssturm wären ohne stillschweigende Rückendeckdung durch Behörden und hochstehende Hintermänner kaum denkbar gewesen.

Ob Polizei und Regierung überrumpelt wurden, bleibt eine offene Frage. Sofort setzten Spekulationen ein, die die Erstürmung der Botschaft in Zusammenhang zu dem Machtkampf zwischen dem Präsidenten und dem radikalen Flügel des Regimes um den geistlichen Führer Ali Chamenei setzen. Es wird unterstellt, Radikale wollten Ahmadinedschad Schwierigkeiten machen und künftige Verhandlungen - nicht zuletzt im Atomstreit mit dem Westen - erschweren. Das Außenministerium, das Ahmadinedschad untersteht, verurteilte die Besetzung der Botschaft und entschuldigte sich in gewundenen Formulierungen.

Die anderen Stimmen aus dem Machtapparat nahmen dagegen einhellig die angeblichen Studenten in Schutz. Parlamentssprecher Ali Laridschani, ein erbitterter Gegner Ahmadinedschads, sagte zu Journalisten: "Das Vorgehen einer Anzahl von Studenten entspricht der Stimmung, die in der öffentlichen Meinung Irans herrscht. Unser Volk hat unter dem Verhalten der britischen Regierung jahrzehntelang gelitten." Wenn London das nicht glaube, sei er gern bereit, eine Meinungsumfrage vornehmen zu lassen, sagte Laridschani.

Der Abgeordnete Alaeddin Borudscherdi, Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Sicherheit und Außenpolitik, behauptete: "Die öffentliche Meinung der Nation ist ohne Zweifel entzückt, dass die britische Regierung keinen Botschafter und keinen Diplomaten mehr in Teheran hat." Zugleich erinnerte der Abgeordnete daran, dass 1980 Gegner des Teheraner Regimes die iranische Botschaft in London besetzt und die Diplomaten sechs Tage lang festgehalten hatten. Zwei Botschaftsangehörige seien ums Leben gekommen, bevor britische Kommandos die Geiseln befreiten. Damals habe die Londoner Polizei die Botschaft nicht verteidigt - anders als die Teheraner Polizisten, welche die britische Vertretung geschützt hätten.