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Diplomatie:China-Komplex

Trump verschärft den Konflikt - eine Strategie hat er nicht.

Von Stefan Kornelius

Sollten die USA und China noch irgendein Interesse an geregelten Beziehungen haben, dann wäre es jetzt höchste Zeit für Gespräche. Die Eskalationsliste ist lang, die Spannungen steigen, und jede Rationalität wird mehr und mehr durch ungezügelte Emotionen ersetzt. Aber: Bis mindestens 3. November wird sich daran wenig ändern, denn China ist der äußere Feind, den Präsident Donald Trump für seine Wähler nur zu gerne aufbaut.

Das heißt allerdings nicht, dass die amerikanischen Maßnahmen gegen China - der Druck im Südchinesischen Meer, die Sanktionen, nun die Schließung des Konsulats in Houston - lediglich aus wahltaktischen Gründen beschlossen wurden. China liefert hinreichend Gründe, wie auch die Europäische Union weiß, die sich über die robuste chinesische Außenpolitik, die Unbeugsamkeit in den Handelsgesprächen und neuerdings über die gesteigerte Spionagearbeit beklagt. Es ist legitim, dass sich ein Land dagegen wehrt.

Nur: China und die USA sind ökonomisch auf Augenhöhe und stark voneinander abhängig, ein Kalter Krieg 2.0 mit einer Art Mauer am Pazifik lässt sich deshalb nicht mehr führen. Die USA handeln nun robust und ansatzlos, Peking wird die Konsulatsschließung mit gleicher Münze zurückzahlen. Eine Strategie ist dahinter nicht zu entdecken.

© SZ vom 23.07.2020
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