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Diktatoren im Exil:Verbannt in den goldenen Käfig

Das wütende Volk stürzt den Herrscher und dieser flieht. Auf Tunesiens Ben Ali folgt wohl Ägyptens Hosni Mubarak. Doch ganz so leicht wie in der Vergangenheit ist es für Alleinherrscher nicht mehr, ungestört im sicheren Exil leben zu können.

Inga Rahmsdorf

10 Bilder

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Quelle: AFP

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Villen in Paris, Luxushotels am Roten Meer, Dinner-Partys auf Hawaii. Wenn Despoten gestürzt werden, führen sie ihr luxuriöses Leben im Exil meist weiter. Ein Überblick über einige Tyrannen und ihre Zufluchtsorte.

Noch ist unklar, ob Hosni Mubarak Ägypten bereits verlassen hat. Er hatte angekündigt, erst einmal auf ägyptischem Boden zu bleiben und reiste von der Hauptstadt Kairo nach Scharm el-Scheich am Roten Meer. Einem anderen Bericht zufolge soll sich der Diktator jedoch in die Vereinigten Arabischen Emirate abgesetzt haben.

Sicher dagegen ist, dass der im Januar gestürzte tunesische Machthaber Zine el-Abidine Ben Ali bereits einen Zufluchtsort gefunden hat:

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Quelle: AFP

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... Saudi-Arabien hieß Ben Ali bereits willkommen. Seit seiner Flucht aus Tunesien logiert er mit seiner Familie dort in einem Palast. Kontakte nach Tunesien sind ihm allerdings verboten worden. Die Herrscher Saudi-Arabiens untersagten ihm auch, Erklärungen zu verbreiten oder Interviews zu geben.

Die neue tunesische Regierung erließ einen Haftbefehl gegen Ben Ali und schrieb diesen zur weltweiten Fahndung aus. Dem ehemaligen tunesischen Diktator und seiner Frau, Leila Trabelsi, wird vorgeworfen, sich schamlos bereichert zu haben, ihr Vermögen wird auf etwa fünf Milliarden Dollar geschätzt. Ben Ali besitzt einige Villen in Paris und einen Landsitz in Südfrankreich.

Eigentlich wollte der Despot nach seinem Umsturz nach Frankreich fliehen. Er saß bereits im Flugzeug - als Nicolas Sarkozy es sich dann doch anders überlegte. Kurzfristig entschied der französische Präsident, ihn nicht einreisen zu lassen. Das muss Ben Ali überrascht haben. Schließlich hat Frankreich in der Vergangenheit schon vielen skrupellosen Gewaltherrschern Unterschlupf gewährt.

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Quelle: AFP

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Einer der grausamsten Diktatoren, der in Frankreich Zuflucht fand, war wohl Jean-Bédel Bokassa. Der Despot aus der Zentralafrikanischen Republik folterte seine Oppositionellen nicht nur, er soll sie bisweilen auch verspeist haben.

Bokassa ernannte sich selbst zum Kaiser, dabei galt ihm Napoleon als Vorbild für die Inszenierung. Das Foto zeigt Bokassa bei seiner Inthronisierung am 4. Dezember 1977. Der Tyrann regierte das afrikanische Land von 1966 bis 1979 mit brutaler Härte. Gefangene soll er Löwen zum Fraß vorgeworfen haben und nach seinem Sturz wurden angeblich Leichenteile in einer seiner Kühltruhen gefunden.

Die Welt war entsetzt. Frankreich sah generös darüber hinweg und gewährte dem Despoten Exil. Der französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing hatte sich schon zuvor von dem kaiserlichen Kollegen bei Jagdausflügen und mit Diamanten gerne verwöhnen lassen. Im französischen Exil ...

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Quelle: AFP

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... ließ Bokassa es sich sieben Jahre lang gutgehen. Er kaufte ein Schloss in Versaille und zog mit 13 seiner Kinder dort ein. Auf dem Bild posiert der Ex-Diktator in seinem Schloss Hardricourt in der Nähe von Paris im September 1984.

1986 verließ Bokassa seine Residenz in Frankreich und reiste zurück in die Zentralafrikanische Republik. 1987 wurde er zum Tode verurteilt, anschließend aber begnadigt und freigelassen. Er starb 1996 in der Hauptstadt Bangui an einem Herzinfarkt und hinterließ siebzehn Frauen und mindestens 37 Kinder. Im Dezember 2010 wurde Bokassa vom zentralafrikanischen Staatschef François Bozizé postum vollständig rehabilitiert.

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Quelle: STR

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Auch Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier, genannt "Baby Doc", fühlte sich in Frankreich 25 Jahre lang sicher. Als er 1971 die Nachfolge seines Vaters François "Papa Doc" Duvalier in Haiti antrat, war er erst 19 Jahre alt (Auf dem Bild sind Vater und Sohn zu sehen).

Jean-Claude Duvalier setzte die Schreckensherrschaft seines Vaters fort und drangsalierte jahrelang die hungernde Bevölkerung Haitis mit Todesschwadronen. Unter den beiden Duvaliers sind schätzungsweise 60.000 Menschen auf brutale Weise gefoltert und umgebracht worden - bis 1986 nach monatelangen Unruhen Duvalier mit seiner Familie nach Frankreich floh.

In Frankreich erhielt er zwar nie offiziell Asyl, konnte aber zwischen Paris und der Côte d'Azur weitgehend unbehelligt in Saus und Braus leben. Dort besuchte er gerne teure Restaurants und kaufte bei französischen Designern ein. So verschwendete er einen Großteil des Vermögens, das er seinen Landsleuten geklaut hatte - bis er verarmt in Paris wohnte. Im Januar dieses Jahres kehrte er nach Haiti zurück.

Idi Amin

Quelle: DPA

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Doch nicht nur Frankreich ist beliebter Zufluchtsort flüchtiger Diktatoren. Das saudische Königshaus, das vergangenen Monat dem Tunesier Ben Ali Zuflucht gewährte, hat schon öfter Despoten aufgenommen. Der Bekannteste war wohl Ugandas Diktator Idi Amin, der 24 Jahre im Exil am Roten Meer verbrachte, wo er sich vor allem in Luxushotels die Zeit vertrieb.

Sein Regime in Uganda zählt ebenso wie das von Jean-Bédel Bokassa zu einem der blutigsten in der afrikanischen Geschichte. Von 1971 bis 1979 herrschte Amin und hat den Tod von bis zu 400.000 Menschen zu verantworten. Seine Gegner warf er den Krokodilen zum Fraße vor, ihre Köpfe soll er im Kühlschrank aufbewahrt haben.

Als er 1979 vertrieben wurde, fand er Zuflucht in Saudi-Arabien. Die Kosten für sein luxuriöses Leben im Exil übernahm die saudische Regierung. Dafür durfte er sich nie wieder politisch äußern. 2003 starb er in Saudi-Arabien.

2006 erinnerte der Regisseur Kevin Macdonald mit dem Film Der letzte König von Schottland an das Schreckensregime. Das Drehbuch ist zwar frei erfunden, knüpft jedoch an die Ereignisse aus der Regierungszeit des Diktators Amin an.

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Quelle: AFP

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Auch die USA gewährten Despoten wie dem philippinischen Diktator Ferdinand Marcos Asyl. Marcos verbrachte seinen Lebensabend auf der Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean. Das Bild zeigt ihn ein Jahr vor seiner Flucht ins Exil neben seiner Frau Imelda bei einer Militärparade in Manila.

Gewaltfreie Proteste der Bevölkerung beendeten 1986 Marcos' Herrschaft. 20 Jahre lang hatte der Staatschef die Philippinen autoritär regiert, bevor er mit mehreren Milliarden Dollar in die USA floh. Das Geld hatte er der Staatskasse entnommen. Die Schweiz blockierte kurz nach der Flucht einen Teil von Marcos' Vermögen in Höhe von 683 Millionen Dollar und zahlte das meiste davon zehn Jahre später an die Behörden in Manila zurück.

Der Diktator starb wenige Jahre nach seiner Flucht im Exil in Hawaii. Seine Witwe kehrte 1991 wieder in ihre Heimat zurück und kandidierte ohne Erfolg für die Präsidentschaft. 2010 trat sie erneut bei den Parlamentswahlen an. Bekannt ist Imelda Marcos für ihren ausschweifenden Lebensstil. Sie gilt als schuhverrückt und soll bis zu 3000 Paar besitzen. In Manila eröffnete sie ein Museum, in dem sie ihre eigenen Schuhe ausstellt.

Ex-Diktator Charles Taylor vor Sondergericht

Quelle: dpa

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Als Liberias Diktator Charles Taylor im August 2003 unter internationalem Druck schließlich abtrat, floh er nach Nigeria. Doch sein Leben im Exil blieb nicht so ungestört, wie das anderer Desporten. Nigeria lieferte ihn 2006 an das Kriegsverbrechertribunal aus.

Seit Anfang 2008 muss Taylor sich vor einem Sondergericht in Den Haag beziehungsweise Leidschendam verantworten, weil er sich in den neunziger Jahren schwerer Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg in Sierra Leone schuldig gemacht haben soll. Der Ex-Präsident soll damals die Rebellenbewegung in dem Nachbarland unterstützt und als Gegenleistung große Mengen Rohdiamanten erhalten haben. Der Prozess sollte Anfang 2011 nach mehr als drei Jahren abgeschlossen werden. Das Sondertribunal entschied jedoch Anfang Februar den Prozess auszusetzen.

Alberto Fujimori

Quelle: AP

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Alberto Fujimori regierte Peru während seiner Präsidentschaft autoritär und korrupt. Im November 2000 setzte er sich nach seiner von Betrug geprägten Wiederwahl nach Japan ab. Das Exil dort war sicher für ihn: Da er auch die japanische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde er trotz eines internationalen Haftbefehls nicht ausgeliefert. Doch 2005 reiste Fujimori überraschend nach Chile. Er plante von dort sein politisches Comeback in Peru vorzubereiten. Daraus wurde jedoch nichts. Chile überstellte ihn nach Peru und im Januar 2010 wurde er in Peru wegen Menschenrechtsverbrechen zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Erich Honecker und Margot Honecker auf dem Flughafen in Chile, 1993

Quelle: DPA

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Nicht ganz so spektakulär verlief das Leben im Exil von Erich Honecker. Im März 1991 floh der ehemalige DDR-Staats- und Parteichef mit seiner Frau heimlich nach Moskau und suchte später Schutz in der dortigen chilenischen Botschaft. Im Juli 1992 landet der per Haftbefehl gesuchte Ex-Machthaber doch noch im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit. Aufgrund seines Krebsleidens wurde der Haftbefehl allerdings aufgehoben und Honecker konnte 1993 nach Chile ins Exil fliegen. Dort lebte er mit einer kleinen Rente aus der Bundesrepublik sowie Spenden "internationaler Solidarität" zurückgezogen. Er starb am 29. Mai 1994. Seine Frau Margot Honecker lebt heute noch in Chile.

Das Bild zeigt Erich Honecker und Margot Honecker 1993 auf dem Flughafen von Santiago de Chile.

© sueddeutsche.de
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