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Digitalisierung und Alter:Opa ist nicht online

Der Befund ist immer gleich. Tablets für Altenheime könnten helfen.

Von David Pfeifer

Hierzulande hat die Digitalisierung noch nie eine gute Lobby gehabt. Als es losging, mit Computern, war der reifere Teil der Gesellschaft noch überzeugt, man könne stattdessen den Jugendlichen gleich den Zugang zu Drogen ermöglichen.

Doch dann überschritt die Durchdringung der Privathaushalte mit Internetanschlüssen bereits zur Jahrtausendwende die 50 Prozent, die Möglichkeit zum Downloaden war dazugekommen, Musik, Netzwerkspiele und Pornografie führten dazu, dass viele einen privaten Zugang haben wollten. Politisch aber blieb die Bewertung des Themas über Jahrzehnte ungefähr gleich: Man dürfe "niemanden abhängen" und müsse verantwortungsbewusst mit den neuen Medien umgehen, die lange nicht mehr neu sind.

Im Altersbericht der Regierung wird nun deutlich, dass man bei der Digitalisierung einen großen Teil der Gesellschaft abgehängt hat, indem man lange nur sagte, man dürfe "niemanden abhängen". Getan wurde wenig. Zurück bleiben aber nicht unbedingt nur Alte, sondern auch Arme. Das Problem ist bekannt, die Handlungsanweisungen wiederholen sich. Vielleicht wäre es eine gute Idee gewesen, aus dem Corona-Topf der Regierung ein paar Millionen für Tablets plus Schulung in Altenheimen zu nehmen. Zumindest wäre die Idee halbwegs neu.

© SZ vom 13.08.2020
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