Dieter Romann neuer Chef der Bundespolizei Dieser Mann führt 40.000 Bundespolizisten an

Am Mittwoch tritt der neue Chef der Bundespolizei sein Amt an. Auf Dieter Romann wartet die Aufgabe, die Skepsis zu beseitigen, die ihm von allen Seiten entgegenschlagen wird. Er hat zu beweisen, dass er der richtige Mann für den Job ist.

Von Susanne Höll

Wenn Dieter Romann am Mittwoch in Potsdam seinen neuen Posten antritt, erwartet ihn eine immense Aufgabe. Er wird dann der Chef von 40.000 Bundespolizisten sein, die den Neuen aus Berlin mutmaßlich mit einer gehörigen Portion Skepsis empfangen werden.

Im Referat Ausländerterrorismus und Ausländerextremismus des Bundesinnenministeriums führte er acht Mitarbeiter, nun werden es 40.000: der neue Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann.

(Foto: dapd)

Den Polizistinnen und Polizisten geht es nicht anders als den allermeisten Politikern und der bundesdeutschen Öffentlichkeit: Sie verstehen nicht, aus welchen Gründen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) den bisherigen Präsidenten Matthias Seeger und dessen beide Stellvertreter abgelöst hat - und damit, um mit den Worten von Friedrich-Kritikern zu sprechen, ihre ohnehin gebeutelte Behörde quasi enthauptete.

Im Bundespolizeipräsidium wird Romann, 50, erst einmal Grundlagen schaffen müssen: das Vertrauen seiner Mitarbeiter gewinnen, die durchaus einflussreichen Polizeigewerkschaften besänftigen, die gegen den Wechsel an der Spitze Sturm laufen - und auch die Innen- und Sicherheitspolitiker der Bundestagsfraktionen davon überzeugen müssen, dass er der richtige Mann für den Job ist.

In politischen Kreisen bislang wenig bekannt

Bislang leitete der Jurist das Referat Ausländerterrorismus und Ausländerextremismus. Da hatte er acht Mitarbeiter zu führen. Nun sind es 5000-mal so viele. Ob der in politischen Kreisen bislang wenig bekannte Beamte das Zeug zum Behördenleiter hat, fragen sich deshalb auch die Sicherheitsexperten aus den Parteien.

Hat er, versichern Friedrichs Leute. Und verweisen darauf, dass Romann recht viel von der Bundespolizei verstehe. Von 2005 bis 2009 war er Leiter des Referats für Polizeiliche Grundsatz- und Einsatzangelegenheiten der Bundespolizei; in den neunziger Jahren, kurz nach seinem Eintritt ins Bundesinnenministerium, beschäftigte er sich mit der Reform des Bundesgrenzschutzes, aus dem die Bundespolizei später hervorgehen sollte.

Romann kennt sich auch mit Großeinsätzen aus, er war im Ministerium verantwortlich für die bundesweite Aktion gegen Salafisten im Frühjahr. In Erinnerung ist auch sein Einsatz bei der politisch heiklen Aufnahme zweier Guantanamo-Häftlinge, 2010. Das soll er effizient und diskret erledigt haben.

Kollegen bescheinigen ihm ein forsches Auftreten und einen ebensolchen Umgangston; er sei einer, der auch laut werden könne. Die, die ihm wohlwollen, sagen, er spreche eben jene Sprache, die man bei der Polizei verstehe. Andere nennen ihn einen Polarisierer. An Polarisierung aber herrscht in der verunsicherten Bundespolizei kein Bedarf. Sie braucht Ruhe statt neuer Aufregung, schließlich ist sie seit Jahren gebeutelt.

Die Bundespolizisten haben keine klare Aufgabe, sie leiden unter Überlastung und schlechtem Ansehen. Wer immer sich beschweren mag, bei dem neuen Polizeichef oder über ihn, sollte wissen: Der Mann kennt sich aus im Beamtenrecht. Nach dem Studium in Köln wurde er 1996 über die Frage promoviert, wann Staatsbedienstete das Recht oder sogar die Pflicht haben, ihren Vorgesetzten zu widersprechen.