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Die Subkultur der Neonazis (Teil 3):Wenn es in der Neonazi-Szene "haarig" wird ...

Langhaarige, die den Hitlergruß zeigen und "Sieg Heil" schreien? All das bietet die Black-Metal-Szene. Die christenfeindlichen Neonazis feierten kürzlich einen ihrer deutschlandweit größten Gigs. Mit dabei: ein gerade entlassener "Satansmörder".

Mehr als 300 NS-Black-Metaller drängten sich Mitte Juni in einem Wirtshaus-Saal im fränkischen Gremsdorf. Für die langhaarige Neonazi-Szene in Deutschland war das eine rekordverdächtige Beteiligung. Schon in den vergangenen Jahren war sie bei Kneipier Thomas Göb zu Gast: Abermals waren Hitlergrüße, "Sieg Heil"-Rufe und judenfeindliche Gesänge in seinem Gasthaus festzustellen. Konzertbesucher trugen T-Shirts mit Aufdrucken wie "Tötet alle Untermenschen" oder "Hail Aids! Ethnic Cleansing".

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Neonazi-Subkultur

Göb macht sein Jahren mitten in Gremsdorf mit Neonazi-Veranstaltungen Kasse. Bei ihm liefen Europa-Kongresse der NPD-Jugendorganisation JN, ein NPD-Landesparteitag, eine Hauptversammlung der Hilfsgemeinschaft für Nationale Gefangene (HNG) und mehrere Konzerte. Zuletzt floss mit rechtsradikaler Musik am 9. Juni das Bier gewinnträchtig: Im verqualmten Saal herrschten Sauna-Temperaturen.

Der schweißnassen T-Shirts hatten sich einige längst entledigt, als nach Mitternacht die Band erschien, deretwegen die meisten angereist waren: Absurd. Die nationalsozialistische Black-Metal-Szene rechnete mit einem Bühnen-Comeback des früheren Schlagzeugers Hendrik Möbus, der kürzlich aus der Haft entlassen worden ist. Sein Ruf als "Satansmörder" machte (und macht) Absurd zur Szene-Kultband in Deutschland.

Möbus hatte 1993 zusammen mit dem damaligen Absurd-Sänger und einem weiteren Musiker im thüringischen Sondershausen einen Jugendlichen umgebracht. Seither saß der heute 31-Jährige rund zwölf Jahre lang im Gefängnis. Straftaten, die er nach seiner vorzeitigen Entlassung Ende der neunziger Jahre begangen hat, verlängerten die Haft bis ins Frühjahr 2007 hinein. Kurz nach seiner Freilassung hat Hendrik Möbus wieder Kontakt zur Szene aufgenommen.

"Ihr könnt meinem Blutdurst nicht entrinnen"

Die Spannung stieg, als Hendrik Möbus nachts die Gasthof-Bühne betrat. Er bewegte sich auffallend langsam. Auf "Hendrik"-Rufe hin hob er kurz die Hand, um etwas verlegen lächelnd seinen Fans zu winken. Unbeholfen trommelte er mit den Fingern auf einer Snare-Drum herum. Zu einem Comeback am Schlagzeug kam es nicht.

Von der "livehaftigen" Ausstrahlung des einstigen Szene-Helden Möbus scheint nicht viel übriggeblieben zu sein. Mit einem kindlichen Lächeln stand er auf der Bühne und genoss die Freiheit, die an diesem Abend nach Zigarettenrauch und Schweiß roch.

Besoffene Szene-Helden

Hendrik Möbus trat nach dem Aufbau wieder ab, sein Bruder übernahm: Ronald Möbus ist der heutige Absurd-Sänger. Und der legte richtig los: Mikro-Ständer und Schlagzeugbecken warf er mitten in die Menge. Statt sich wie sonst in ein martialisches Rittergewand zu zwängen, hatte der Absurd-Frontmann offensichtlich zu viel getrunken. Einem Fan verpasste er von der Bühne herunter einen Faustschlag. Nach fast jedem Lied beschimpfte er die Zuhörer als Affen.

Zum Leidwesen mancher Zuhörer wollte "Wolf", wie Ronald Möbus gerufen wird, auch das heisere Krächzen nicht mehr gelingen, wie es für den Black-Metal üblich ist. Er sang "normal", was die Texte verständlicher werden ließ - zum Beispiel den Song "Pesttanz". Darin hieß es: "Was da atmet, muss nun sterben, dass die Welt gereinigt wird. Mordend Juden und Christenheit, lüstern, voller Grausamkeit. Massengräber füllen sich, holde Pest, wir grüßen dich!" Oder in dem Titel "Werwolf": "Ihr könnt meinem Blutdurst nicht entrinnen! Ich stille meine Gier mit Menschenfleisch, mit Zyklon B, mit Gift und Blut."

Das Publikum feierte den Auftritt mit Hitlergrüßen und einzelnen "Sieg Heil"-Rufen. Zwischen den Liedern trat hin und wieder ein Publikums-Chor zusammen und schmetterte Nazi-Lieder, wie: "Blut muss fließen, knüppelhageldick, und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik."