Die Söldner-Branche "Der Irakkrieg ist eine Goldmine"

Rund 900 Dollar bekommt ein privater Söldner für einen Tag im Krisengebiet - und das ist nur ein Grund, warum die Branche derzeit boomt. Ein Tag auf dem Gelände der US-Sicherheitsfirma Blackwater.

Von Von Marc Hujer

Still ist es hier unten in Moyock, gespenstisch still für einen Werktag mitten im Krieg. Ray Williams, der Mann mit der Hausnummer 832, der letzten vor dem Maschendrahtzaun, hat gerade fertig gemäht, er hat ordentlich seine Bahnen gezogen, von der Veranda zum Zierteich, dann zum Gewächshaus und wieder zurück.

Personenschutz für den US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer. Zu den Body Guards gehören auch Blackwater-Mitarbeiter.

(Foto: Foto: AP)

Man kann noch gut die Spuren seiner Nachmittagsmühen sehen, die Sorgfalt, mit der er an den Blumenrabatten entlang fuhr, an der Straßenfront und an der Grenze, die sein Grundstück von jener Welt trennt, in der jeden Tag die Tapferen und Lebensmüden verschwinden, Menschen, die für Geld nach Bagdad, Falludscha oder Nadschaf gehen wollen.

Von hier aus kann man nur erahnen, was hinter der Grenze liegt, hinter den weitläufigen Äckern, Wiesen und Wäldern und jenem Schild mit der schwarzen, knuddeligen Bärentatze darauf - dem Schild von Blackwater USA.

Ray Williams ist der Nachbar von Blackwater, dem das letzte Grundstück diesseits der Grenze gehört und der noch immer nichts Genaues weiß von den Geschäften jenseits der Grenze.

Er hat keine Ahnung gehabt, wer hier jeden Tag die Puddin Ridge Road entlangkommt, wer die Kunden sind, die Partner, die Eigentümer und Investoren.

Vor acht Jahren, als er hier zu bauen begann, hat er nicht ahnen können, dass auch die Firma Blackwater hier bauen würde. Auch an jenem schicksalhaften Tag des 31. März 2004, als man auf dem Highway 10 in Falludscha vier Körper fand, verbrannt und verstümmelt, wusste er nicht wirklich, was die Firma auf dem Grundstück nebenan damit zu tun hatte.

Dann aber hat er draußen die Reporter gesehen und drinnen seinen Fernseher angestellt. Und da fiel er aus allen Wolken.

"Mariniert in Testosteron"

Blackwater ist eine der größten amerikanischen Privatfirmen im Irak, die Vorzeigemarke für eine neue, boomende Industrie: die private Sicherheitsindustrie.

450 Männer beschäftigt Blackwater im Irak. Sie schützen Lebensmittelkonvois, entschärfen Sprengsätze und übernehmen Personenschutz für VIPs. Andere Firmen haben zwar mehr "Stiefel am Boden" im Irak, wie es im Branchenjargon heißt, aber Blackwater hat einige der prestigeträchtigsten Aufträge bekommen.

Für 21 Millionen Dollar zum Beispiel sichert Blackwater den Personenschutz von US-Zivilverwalter Paul Bremer. Und das bedeutet nicht nur Geld, sondern auch Imagegewinn. "Wir sind jetzt das Unternehmen", sagt Bertelli, "das den höchsten Vertreter der USA im Irak schützen darf. Und das war nur möglich, weil die Regierung volles Vertrauen in die Qualität unserer Arbeit hat."