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Die rätselhaften Mörder der NSU:Wer hat die DVDs verschickt?

Hatten die Täter irgendeine Botschaft zu verkünden?

Jede Suche nach einem höheren Sinn für das Morden hätte nur die tiefe Sinnlosigkeit offenbaren können. Für die Logik der Paranoia, die sie offenbar umfangen hielt, gab es keine Unschuldigen - nur solche, die sie noch nicht erwischt hatten. Aber eine Erklärung wie die, dass der Hamburger Gemüsehändler Süleyman T. am 27. Juni 2001 erschossen worden sei, um den Herrschenden in Deutschland im Kampf gegen die Überfremdung endlich Einhalt zu gebieten, wäre selbst von den verrücktesten der verrückten Gesinnungskameraden nicht ganz verstanden worden. Diese kriminelle Vereinigung wollte offenbar ein Gespenst, ein Phantom bleiben.

Wie erstellte das Trio die Bekenner-DVDs?

Das Filmchen, in dem die Zeichentrickfigur Paulchen Panther durch das Grauen führt, gibt noch viele Rätsel auf. Vermutlich haben die Täter das Filmchen am Computer selbst gebastelt. Sie mussten dafür Szenen aus Zeichentrickfilmen herausschneiden und mit Bildern der Mordserie zusammenfügen. Die Stimme des Sprechers von Paulchen Panther ist die Original-Stimme. Manchmal sagt die Figur böse Sätze, die Paulchen Panther nie gesagt hätte. Vermutlich haben die Killer mit Hilfe der Elektronik diese Sätze aus vielen Originalsätzen zusammenmontiert. An diesen Stellen klingt die Stimme leicht verzerrt.

Bei wem tauchten kurz nach dem Tod der beiden Killer Kopien der DVD auf, und wer hat sie warum verschickt?

Eine Kopie des Bekennerschreibens ging bei der Partei Die Linke in Sachsen-Anhalt ein. Eine weitere DVD war adressiert an ein Büro der ehemaligen PDS in Riesa und kam erst mit einiger Verzögerung an. Andere DVDs, die von den Ermittlern gesichert werden konnten, waren an Medien und islamische Kulturzentren adressiert. Das Rätsel dieser DVDs kann möglicherweise die Neonazi-Frau Beate Z. klären, die 1998 mit den beiden Killern untergetaucht war und zuletzt mit ihnen in Zwickau zusammengelebt hat. Sie hat nach dem Tod der beiden Männer die gemeinsame Unterkunft mit Brandbeschleunigern in die Luft gejagt. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft und schweigt angeblich noch. Vieles spricht dafür, dass sie nach dem Ende der Zelle die Videos selbst zur Post gebracht hat. Vermutlich war das Ende geplant.

© SZ vom 16.11.2011/aho/hai
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