Die Piraten:Berliner Piraten-Politiker Claus-Brunner ist tot

Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner ist tot

Der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner war der Partei bereits 2009 beigetreten.

(Foto: dpa)
  • Die Berliner Polizei teilte mit, in einer Steglitzer Wohnung seien zwei Leichen gefunden worden.
  • Bei dem zweiten Toten soll es sich ebenfalls um einen Mann handeln.
  • Claus-Brunner gehörte zur Berliner Piratenfraktion, die 2011 als erste in einen Landtag einzog.

Der Berliner Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner ist tot. Das bestätigte die Partei am Montag. Die Berliner Polizei teilte mit, in einer Steglitzer Wohnung seien zwei Leichen gefunden worden. Bei dem zweiten Toten soll es sich ebenfalls um einen Mann handeln. Weitere Informationen gab es zunächst nicht. Eine Mordkommission ermittelt.

Wie die Piraten erklärten, handelt es sich möglicherweise um Suizid. Die Polizei habe der Partei mitgeteilt, dass wohl weder ein Unfall noch Fremdverschulden vorliege. "Genauere Umstände sind uns nicht bekannt; allerdings wussten wir von einer unheilbaren Erkrankung."

Claus-Brunner gehörte zur Berliner Piratenfraktion, die 2011 als erste in einen Landtag einzog. In der Öffentlichkeit trat er häufig in Latzhose und mit einem Kopftuch auf. Um das Kopftuch gab es anfangs einigen politischen Aufruhr, weil er im Parlament auch sogenannte Palästinensertücher trug.

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hatte den Piraten-Politiker aufgefordert, das Kopftuch abzulegen. Es stehe für Nationalismus, bewaffneten Kampf und Antizionismus. Claus-Brunner hatte die Kritik zurückgewiesen. In der Folge trug er aber zu seinem Kopftuch einen Davidsstern.

Bereits nach der ersten Zeit im Abgeordnetenhaus - und nach einigen internen Querelen bei den Piraten - hatte Claus-Brunner geklagt, er sei moralisch und seelisch am Ende. Später sagte er: "Ich halte durch, weil ich sicher bin, dass ein großer Teil der Basis hinter mir steht."

"Lebwohl, Faxe! Wir werden dich vermissen"

Die Piraten schrieben jetzt: "Faxe, wie wir ihn alle nannten, war nie unumstritten, Faxe war nie einfach und er hatte es auch nie leicht. Jeder von uns kann eine Geschichte über ihn erzählen." Sie beendeten ihre Mitteilung: "Lebwohl, Faxe! Wir werden dich vermissen."

Claus-Brunner wurde 1972 in Harrislee bei Flensburg im Norden Schleswig-Holsteins geboren. Nach dem Realschulabschluss machte er eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker. Von 1992 bis 1995 war er Soldat auf Zeit. Seit Oktober 2011 studierte Claus-Brunner Maschinenbau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Zeitgleich zog er für die Piratenfraktion ins Abgeordnetenhaus ein. Bereits 2009 war er der Partei beigetreten. Die junge Partei hatte damals mit 8,9 Prozent einen überraschenden Wahlerfolg erzielt. Claus-Brunner war Bezirksbeauftragter für Steglitz-Zehlendorf.

Die Piratenfraktion scheiterte bei der Wahl am vergangenen Wochenende an der Fünf-Prozent-Hürde. Claus-Brunner holte als Direktkandidat in Steglitz-Zehlendorf 2,0 Prozent der Stimmen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Die Berichterstattung in diesem Fall gestalten wir deshalb bewusst zurückhaltend, wir verzichten weitgehend auf Details. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen.

Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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