bedeckt München 21°

Die Muslimbruderschaft in Ägypten:Wege des Lichts - und der Finsternis

Beim Aufruhr in Ägypten spielt die Muslimbruderschaft bisher nur eine Nebenrolle. Doch sie hat ihr Land zutiefst geprägt. Die vertrackte Geschichte eines langen Kampfes.

Während Hunderttausende auf Kairos Midan Tahrir, dem "Platz der Befreiung", dem Präsidenten ihr "Es ist genug" zuriefen, saß Hosni Mubarak in seinem Präsidentenpalast und erhob seine übliche Anklage: Die Proteste gegen ihn seien das Werk der Muslimbruderschaft. Etwa zur selben Zeit lud der neue Vizepräsident Omar Suleiman eben jene Muslimbrüder zu Gesprächen über die Zukunft des Landes ein.

Die Sprecher der Muslimbruderschaft Mohammed Mursi (links) and Saad al-Katatini (rechts). Der Ägyptische Vizepräsident Suleiman hatte die zuvor verboten Muslimbrüder zu Gesprächen eingeladen. Es war die neueste Wende in der verworrenen Geschichte zwischen ägyptischen Offizieren und den Brüdern.

(Foto: AFP)

Wie? Mit Staatsfeinden verhandeln über das Schicksal der Nation?

Die womöglich nur aus taktischen Erwägungen gemachte Verbeugung des Regimes vor der Bruderschaft markiert die neueste Wende in der verworrenen Geschichte zwischen ägyptischen Offizieren und den Brüdern. Manches in dieser vertrackten Chronik hat mit europäischem Kolonialismus zu tun, vieles mit der ewigen Frage, nach welchem Gesellschaftsentwurf Ägypten leben soll: nach einem bodenständig muslimischen oder einem importierten westlich-liberalen?

Ismailia 1928. Die Stadt am 1869 mit aufwendigem Pomp eröffneten, den Briten gehörenden Suezkanal hat ein europäisches Gesicht. Ist das die Zukunft des Landes? Diese Frage stellen sich viele - unter ihnen der Lehrer Hassan al-Banna. Er kommt zu dem Schluss, Ägypten müsse nach einem eigenen, einem muslimischen Konzept leben, und gründet die Muslimbruderschaft. In einer Grundsatzschrift "Aufbruch zum Licht" fordert al-Banna 1936 "die Förderung des Geistes des Islam in den Ämtern der Regierung", die "Kontrolle des persönlichen Verhaltens der Beamten" und die "Beendigung ausländischer Verfremdung in den Haushalten im Blick auf Sprache, Sitten, Kleidung, Kindermädchen, Ammen".

Impressionen aus Kairo

Der Morgen danach