In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kommentiert Frank Schirrmacher: "Die Vierzig-, Dreißig- und Zwanzigjährigen in Deutschland sollten das Interview rot markieren, in dem Horst Seehofer behauptet, Deutschland benötige keine 'Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen'. Kleinkindern sollte man es zurücklegen, und am Tag ihrer Volljährigkeit aushändigen. Wiedervorlage in zehn Jahren, und dann bis zur Mitte des Jahrhunderts zum Jahrestag immer wieder lesen. Die Bevölkerung wird Gelegenheit haben sich zu fragen, wie man 2010 als 'Politik' akzeptieren konnte, was in Wahrheit nur ein Ausdruck fast vollständiger politischer Unfähigkeit ist." Der Autor stellt fest: "Deutschland wird ohne qualifizierte Einwanderung erodieren."

Die Braunschweiger Zeitung befürchtet gar eine Verstärkung des Fachkräftemangels durch Äußerungen wie die von Horst Seehofer: "Deutschland ist und bleibt ein weltoffenes Land, stellt die Kanzlerin fest. Im Übrigen sei es dem Kollegen Seehofer um die Problematik der Fachkräfte gegangen. Das ist eine seltsame Interpretationshilfe, denn gerade holzschnittartige Beiträge wie die Seehofer-Einlassung zum Thema Zuwanderung tragen das ihre dazu bei, dass die ausländischen Fachkräfte, die hier gebraucht werden, keine Lust haben, ihre Chance in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt zu suchen."

12. Oktober 2010, 13:572010-10-12 13:57:38 © sueddeutsche.de/beitz/woja