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Die Linke: Skandale um Klaus Ernst:Konsequent ins Abseits

Die Aufregung um "Porsche-Klaus" reißt nicht ab: Deutschland diskutiert weiter über den Linken-Chef. Bevor Ernst Spitzenpolitiker wurde, machte er in der IG Metall Karriere und profilierte sich als Freund der kleinen Leute.

Matthias Kolb

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Linken-Chef Ernst: Ruecktrittsforderung war Einzelmeinung

Quelle: ddp

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Ein bayerischer Linker in der Kritik: Der Sommer 2010 wird Klaus Ernst lange in Erinnerung bleiben. Seit Wochen streitet seine Partei - und immer öfter die Öffentlichkeit - über das Einkommen und das angebliche "Luxus-Leben" des Linken. Das Wort vom "Porsche-Klaus" macht die Runde.

Etwa 13.000 Euro brutto verdient der Linken-Chef jeden Monat - und verzichtet anders als seine Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch nicht auf einen Zuschlag von 3500 Euro aus der Partei. Hinzu kommen Vorwürfe, Ernst sei auf Kosten des Bundestags zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen geflogen - nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Zuletzt warf der Schatzmeister der bayerischen Linken, Ulrich Voß, Ernst vor, die Mitgliederzahlen nach oben zu treiben, um die eigene Macht zu stärken.

Der 55-Jährige weist die Vorwürfe zurück - er habe in den Jahren vorher schon gut verdient und wolle sich nicht verschlechtern. Die Karriere des Klaus Ernst in Bildern.

SPD-Rebellen Haendel und Ernst aus Partei ausgeschlossen

Quelle: ddp

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Ein Rebell gegen die Parteispitze: So wurde Klaus Ernst bundesweit 2004 bekannt. Allerdings lehnte er sich damals gegen den herrschenden Kurs innerhalb der SPD auf und protestierte vor allem gegen die Agenda 2010 und die Hartz-IV-Gesetze der Regierung Schröder (dieses Foto entstand 2004 während eines Mediengesprächs in Schweinfurt).

Ernst hatte bis dahin eine beachtliche Karriere innerhalb der Gewerkschaftsszene hingelegt: Der Elektromechaniker engagierte sich schon in seiner Heimatstadt München in der DGB-Jugend, bevor er zum Studium der Volkswirtschaftslehre nach Hamburg zog. Nach seinem Abschluss war Ernst für die IG Metall in Stuttgart tätig und wurde 1995 zum 1. Bevollmächtigten der IG Metall in Schweinfurt gewählt. 

Ried-Hof

Quelle: ddp

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Seit diesen Zeiten urlaubt Ernst gern in Ellmau in Tirol. Die Pacht für den Ried-Hof teilt er sich seit 22 Jahren mit Freunden. Oft betont Ernst, dass der Hof keine Zufahrt und keinen Stromanschluss hat, doch im Sommerloch gehen diese Details gern unter und dann wird daraus ein "Luxusanwesen".

SPD- Parteiausschlussverfahren

Quelle: dpa

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Nach der Gründung der "Initiative für Arbeit und Gerechtigkeit" werden die Genossen Peter Vetter, Klaus Ernst, Thomas Händel und Gerd Lobboda (v.r.) 2004 aus der SPD ausgeschlossen.

Bundesparteitag WASG - Lafontaine und Ernst

Quelle: dpa/dpaweb

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Diese Reaktion scheint die Kampfeslust von Klaus Ernst nur geweckt zu haben. Er steigt schnell innerhalb der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) auf und ist als geschäftsführender Vorstand tätig. Sein gutes Verhältnis zu einem anderen SPD-Abtrünnigen bringt ihm den Spitznamen "Lafontaines Politjünger" ein (unser Foto zeigt die beiden im Juli 2005 beim Bundesparteitag der WASG in Kassel).

PDS-Sonderparteitag - Rede Ernst

Quelle: dpa/dpaweb

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Ernst ist innerhalb der WASG ein Befürworter für die Gründung einer neuen Linkspartei, für deren Gründung er 2005 auf einem Sonderparteitag der PDS wirbt. Er selbst kandidiert erfolgreich als bayerischer Spitzenkandidat für die offene Liste der Linkspartei.PDS und zieht in den Bundestag ein.

Ex-DDR-Spionagechef Wolf in Berlin beigesetzt

Quelle: dpa

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Auf dem Weg zur Gründung der Linkspartei mussten sich die postkommunistische PDS aus Ostdeutschland und die westdeutschen Gewerkschafter und enttäuschten Sozialdemokraten einander annähern. Für Klaus Ernst, im November 2006 Chef der WASG, bedeutete das etwa, beim Begräbnis des früheren DDR-Spionagechefs Markus Wolf auf dem Berliner Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde dabei zu sein.

Gewerkschaftsdemonstration gegen Rente mit 67

Quelle: dpa

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So gefällt sich Klaus Ernst am besten: Er kämpft für die Anliegen der kleinen Leute, der Angestellten und Arbeiter, die sich von der großen Politik im Stich gelassen fühlen. So überzeugend wie auf dieser Demo im März 2007 in Berlin wird Ernst wohl nicht mehr auftreten können: Die Bilder der Hütte, der Porsche 911 und die Debatte um die Flugreisen passen nicht zum Image des Kämpfers der Entrechteten. Auch in diesem Sommer diskutiert Deutschland wieder über die Rente mit 67, doch von den Linken ist wenig zu hören - sie sind mit ihren internen Querelen beschäftigt.

Ernst party leader of the WASG party and party leader Bisky of the 'Die Linke' party address the media during a news conference in Berlin

Quelle: REUTERS

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Für Klaus Ernst ging es weiter bergauf: Die Linkspartei erzielt bei der Bundestagswahl 2009 ein sehr gutes Ergebnis und der bisherige Fraktionsvorstand wird als Nachfolger für die bisherige Parteispitze gehandelt. Lothar Bisky (auf dem Foto aus dem Jahr 2005 rechts im Bild) und Oskar Lafontaine ziehen sich im Frühjahr 2010 zurück und die Linkspartei wünscht sich wieder eine Doppelspitze.

Die Linke - Kandidaten stellen sich vor

Quelle: dpa

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Das neue Duo lässt auf den ersten Blick keine Wünsche offen: Gesine Lötzsch ist eine Frau aus dem Osten, Klaus Ernst der Mann aus dem Westen. Sie kommt aus der PDS, er aus der WASG. Hier posieren beide in einem Fenster der rheinland-pfälzischen Zentrale der Partei in Mainz. Auf dem Parteitag in Rostock platzt der Traum der Einigkeit aber wie eine Seifenblase: Während Lötzsch im Mai mit 92,8 Prozent gewählt wird, bekommt Ernst nur 74,9 Prozent der Stimmen. Einen anderen wichtigen Unterschied erfährt man erst später: Anders als Ernst übt Lötzsch ihr Vorsitzendenamt ehrenamtlich aus - und verzichtet deswegen auf 3500 Euro von der Partei.

Querelen bei der Linkspartei in Bayern

Quelle: dpa

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Ende Mai beginnt der Trubel um Klaus Ernst: Der Spiegel berichtet über Unregelmäßigkeiten bei Flügen des Linken-Chefs. Der Vorwurf, den nun auch die Staatsanwaltschaft überprüft, lautet: Der 55-Jährige habe sich auf Kosten des Bundestags zu Aufsichtsratsterminen fliegen lassen. In der Folge tauchen weitere Details über Ernsts Einkommen auf:

Er kommt demnach auf etwa 13.000 Euro brutto im Monat. Der Betrag setzt sich zusammen aus etwa 7700 Euro Diäten, gut 1900 Euro für seine Mitgliedschaft im Vorstand der Bundestagsfraktion und besagte 3500 Euro für den Job des Parteichefs - auf die Lötzsch verzichtet. Netto bleiben Ernst nach eigener Aussage 5000 Euro im Monat.

Klaus Ernst Sommerinterview ZDF

Quelle: ZDF

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"Das ist natürlich viel Geld, ich weiß. Aber ich halte es für gerechtfertigt. Was ich mache, ist keine 08/15-Aufgabe", versuchte sich Ernst im Gespräch mit der WAZ-Gruppe zu rechtfertigen. Er habe seinen Job bei der IG Metall aufgegeben und sich "nicht deutlich verschlechtern" wollen. Außerdem schäme er sich nicht für seinen Porsche. Zur Beruhigung hat diese Aussage bisher nicht beigetragen.

Ähnlich äußerte er sich im ZDF-Sommerinterview, das jedoch nicht vor dem eigenen Ried-Hof gedreht wurde, sondern vor einer anderen Tiroler Alm. Eine Belanglosigkeit, die einige Medien jedoch zum Skandal hochjazzten.

Linken-Chef Ernst: Ruecktrittsforderung war Einzelmeinung

Quelle: ddp

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Mitte August musste sich Ernst, der völlig von der Bildfläche verschwunden ist und keine Interviews gibt, noch heftige Vorwürfe aus Bayern gefallen lassen: Der bayerische Landesschatzmeister Ulrich Voß hatte in einem von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten internen Dossier schwere Vorwürfe erhoben. Demnach sollen einige linke Kreisverbände ihre Mitgliederzahlen künstlich nach oben getrieben haben, um auf Landesparteitagen mehr Delegierte stellen und so Personalentscheidungen manipulieren zu können. Nutznießer, so behauptet es Voß, seien Parteichef Klaus Ernst und dessen Anhänger gewesen - etwa, als Ernst 2009 nur knapp zum bayerischen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl nominiert wurde.

Anfang September ließ er wieder von sich hören - mit einem Vorschlag, der die Debatte um sein Einkommen beilegen soll. Nach Angaben des Linken-Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi will Ernst nun auf seine Zulage als Mitglied des Fraktionsvorstandes in Höhe von etwa 2000 Euro verzichten.

© sueddeutsche.de/mikö/gba
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