bedeckt München 21°

Linkspartei:Wissler und Bartsch werden Spitzenkandidaten

Politischer Aschermittwoch - Die Linke

Dietmar Bartsch und Janine Wissler 2018.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)

Die Linke zieht mit der Parteivorsitzenden und dem Fraktionschef in den Bundestagswahlkampf. Ihre Ziele: ein zweistelliges Ergebnis und einen grundsätzlichen Politikwechsel.

Von Boris Herrmann, Berlin

Die Linke geht mit Janine Wissler und Dietmar Bartsch als Spitzenkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Die Parteivorsitzende und der Chef der Bundestagsfraktion wurden am Montagmorgen vom Bundesvorstand nominiert. Sie erhielten 32 der 36 Stimmen, das entspricht einer Zustimmung von 87 Prozent. Im Anschluss an die Entscheidung wurde das Duo bei einer Veranstaltung in der Berliner Kulturbrauerei präsentiert. "Unser Ziel ist, zweistellig zu werden", kündigte Bartsch mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September an. Momentan liegt die Linke in Umfragen bei sechs bis acht Prozent. Ein zweistelliges Ergebnis ist ihr bisher erst einmal gelungen: Bei der Bundestagswahl 2009 waren es 11,9 Prozent.

Wissler sagte, es gehe ihr um eine Gesellschaft, in der "Solidarität und Respekt keine leeren Versprechen sind". Bartsch bezeichnete die Linke als "die Anwältin der wahren Leistungsträger", er nannte Krankenschwestern, Erzieherinnen und Lehrer, Paketboten sowie Arbeiterinnen und Arbeiter in den Supermärkten. "Wir kämpfen für die Millionen, die zu Minilöhnen schuften müssen", sagte Bartsch.

Wissler hatte gemeinsam mit ihrer Co-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow am Montagmorgen dem Parteivorstand diesen Personalvorschlag unterbreitet. Hennig-Wellsow hatte zuvor öffentlich erklärt, auf die Spitzenkandidatur zu verzichten. Auch Bartschs Co-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali nahm ihre ursprünglich durchaus gehegten Ambitionen zurück. So machten Hennig-Wellsow und Mohamed Ali den Weg für eine verhältnismäßig geräuscharme Lösung frei.

In der Vergangenheit hatte es bei der Linkspartei immer wieder heftigen Streit um die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl gegeben, auch wenn damit kein offizieller Posten verbunden ist. Es gibt aber zumindest einen informellen Zusammenhang zu einer herausragenden Rolle in der Bundestagsfraktion für die Zeit nach der Wahl. In diesem Jahr, in dem die Linke trotz ihres derzeitigen Umfragetiefs eine Regierungsbeteiligung im Bund anstrebt, dürfte sich mit der Spitzenkandidatur gegebenenfalls auch der Anspruch auf ein Ministeramt verbinden.

Da Wissler aus Hessen und Bartsch aus Mecklenburg-Vorpommern stammt, ist die Ost-West-Parität gewährleistet

Dietmar Bartsch, 63, war bereits zweimal Spitzenkandidat der Linken, bei der Bundestagswahl 2017 zusammen seiner damaligen Co-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und 2013 im einem achtköpfigen Spitzenkandidaten-Team.

Janine Wissler, 39, macht es zum ersten Mal. Derzeit ist sie noch Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag. Rund zwei Monate nachdem sie im Februar in die Doppelspitze der Bundespartei gewählt worden war, kündige sie an, für ein Bundestagsmandat zu kandidieren und unterstrich damit auch ihren Anspruch auf die Spitzenkandidatur.

Wissler und Bartsch haben auch ein Alleinstellungsmerkmal der Linken ausgemacht, mit dem sie unschlüssige Wähler überzeugen wollen: "Nur bei der Linken können sie sicher sein: Wir werden keinen Kanzler der CDU wählen", sagte Bartsch.

© SZ/jsa
Zur SZ-Startseite
Die Linke Holds Virtual Federal Congress

SZ PlusVor der Bundestagswahl
:Für die Linke geht es ums nackte Überleben

Weil eine der beiden Vorsitzenden verzichtet, zeichnet sich bei der Linken ein neues Spitzenduo für die Bundestagswahl ab. Doch die Umfragen zeigen in eine bedrohliche Richtung. Was passiert, wenn die Partei die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB