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Die Grünen und Stuttgart 21:Jetzt bitte keine Verletzungen!

Grundsätzlich haben Grüne und Rote schon in den Koalitionsverhandlungen besprochen, dass man für diese Ausnahmesituation Regeln brauche. Nun allerdings hat die SPD durch ihr Treffen mit der CDU die Regeln bereits gebrochen, bevor sie überhaupt konkretisiert werden konnten.

Dass die SPD mit der CDU reden würde, war allen klar; dass sich Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel dabei lachend fotografieren lassen würde, eher nicht. Obendrein hatten es die Sozialdemokraten verpasst, dem Koalitionspartner vorher Bescheid zu sagen.

Natürlich gefallen sich die Grünen jetzt in der Rolle der Gehörnten mit Recht auf Wehgeschrei. Aber Kretschmanns harsche Reaktion darf wohl durchaus als bitterernste Warnung an seine Koalitionäre verstanden werden, sich doch jetzt bitte keine Verletzungen zuzufügen, die auch nach dem 27. November noch schmerzen.

Der Termin darf als gesichert gelten

Grün-Rot war nie die selbst ausgerufene "Liebesheirat". Im Kabinett arbeitet man zwar ordentlich zusammen, zumal sich der lange vorlaute grüne Verkehrsminister Winfried Hermann plötzlich im Leisetreten übt. Superminister Schmid aber drängt arg ungestüm aus dem Schatten der Lichtfigur Kretschmann. Und im Landtag sind sich die Grünen und die eher konservative SPD-Fraktion fremd geblieben. Da wird auch der vereinbarte "Volksabstimmungsknigge" (Schmid) Ungemach nicht völlig unterbinden können.

Die Grünen haben sich längst der Kampagne des "Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21" angeschlossen; die SPD will im Rahmen des Vereins "Pro Stuttgart 21" Seit an Seit mit CDU und FDP Wahlkampf machen. Neben den Grünen muss Schmid dabei auch Rücksicht auf die vielen Bahnhofsgegner an der eigenen Basis nehmen.

Dass die Volksabstimmung am 27. November stattfindet, darf als gesichert gelten: Nach der FDP erklärte auch die CDU am Donnerstag ihren Verzicht auf eine Verfassungsklage gegen das Referendum. Keiner möchte dastehen als jemand, der dem Volk den Mund verbietet. Und im Gegensatz zu den Grünen darf die Opposition damit rechnen, dass das Volk in ihrem Sinne spricht.