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Die Grünen im Umfragehoch:Stimmung und Stimmen

"Wir haben die Chance, wenn wir alles richtig machen": Nie hatten die Grünen bessere Umfragewerte als zuletzt - nun muss sich zeigen, ob sie daraus Wahlerfolge machen können. Gelingt dies, könnte 2011 ein historisches Jahr für die Öko-Partei werden.

Der Gipfel, er bleibt Cem Özdemir diesmal einfach verwehrt. Der Grünen-Chef hätte es jetzt nicht mehr weit bis nach ganz oben, doch es funktioniert nicht. An der Spitze weht ein eisiger Wind, er treibt Schnee über den Brocken. Heute fährt keine Schmalspurbahn auf den höchsten Berg Norddeutschlands. "Geht nicht anders", sagt Özdemir, "ich muss wiederkommen." Eigentlich ist er ja ohnehin nur da, um den Parteifreunden in Sachsen-Anhalt Zuspruch zu spenden. Der Kreisverband Harz hält Kriegsrat, zum letzten Mal vor der Landtagswahl im März.

Herbstklausur der Grünen

Hat gut lachen angesichts der Umfragewerte: Grünen-Chef Cem Özdemir.

(Foto: dpa)

Wie beschwerlich der Weg nach oben sein kann - die Grünen in Sachsen-Anhalt wissen es. Maue Umfrageergebnisse in der Vergangenheit, seit 13 Jahren keine Landtagsfraktion mehr, kaum feste Strukturen, wie sie andere Landesverbände kennen. "Die müssen in Sachsen-Anhalt mit Engagement wettmachen, was andere Parteien an Strukturen längst haben", sagt Özdemir. Das ist leicht gesagt mit einem Landesverband, der kleiner ist als mancher Grünen-Kreisverband in Baden-Württemberg.

Aber 2011 ist anders. "Wir haben einen wahnsinnigen Aufwind", sagt Mathias Fangohr, einer von vier Direktkandidaten der Grünen im Harzkreis. "Da ist ein ,Wind of change'." Dieser Tage wollen die Grünen in Sachsen-Anhalt Parteimitglied Nummer 600 begrüßen, so viele hatten sie noch nie. Und ihr Wahlergebnis bei der letzten Landtagswahl, maue 3,6 Prozent, könnten sie leicht verdoppeln. Die letzte Umfrage taxierte sie auf neun Prozent. "Das wäre gigantisch", schwärmt Spitzenkandidatin Claudia Dalbert. "Die Dimensionen sind hier anders, neun Prozent in Sachsen-Anhalt ist wie 20 Prozent in Baden-Württemberg."

Jetzt müssen die hohen Prognosen aus Sicht der Grünen nur noch Wahlergebnisse werden, und das nicht nur in Sachsen-Anhalt. Mindestens sieben Mal werden 2011 neue Landtage und Bürgerschaften bestimmt, sieben Mal haben die Grünen angesichts ihrer Umfragen beste Chancen auf Rekordergebnisse. Wenn 2010 das Jahr war, in dem die Grünen in den Umfragen emporschnellten, kann 2011 das Jahr der Ernte werden, zumindest einmal rein theoretisch.

"Kämpfen bis zur letzten Minute"

In Rheinland-Pfalz winkt der Wiedereinzug in den Landtag, womöglich sogar als Koalitionspartner der SPD. In Baden-Württemberg träumt die Partei von einem grünen Ministerpräsidenten und könnte zumindest bei gut einem Fünftel der Stimmen enden. In Berlin läuft sich Fraktionschefin Renate Künast warm, womöglich Regierende Bürgermeisterin zu werden. In Hamburg sind die Grünen auf bestem Wege, schon Ende Februar nach dem gescheiterten schwarz-grünen Bündnis ein rot-grünes zu bilden. Und in Mecklenburg-Vorpommern könnten sie im Herbst in den Landtag einziehen - zum ersten Mal überhaupt.