Folgen für Schwarz-Gelb Wie spektakulär sich Merkel verspekuliert hat

Schlimmer hätte es für die Kanzlerin kaum kommen können. Die CDU verliert trotz Merkels Last-minute-Atomwende die zwei wichtigsten Wahlen des Jahres, die FDP fliegt aus dem Landtag in Rheinland-Pfalz. Wie die Wahl die Bundesregierung erschüttert:

Analyse von Thorsten Denkler, Berlin

Von Zäsur hat Kanzlerin Angela Merkel im Angesicht der Atom-Katastrophe von Fukushima gesprochen. Und davon, dass nichts mehr so sein werde wie davor.

Sie hat recht - zumindest was Schwarz-Gelb angeht.

Wie sehr, kann die CDU-Vorsitzende an diesem Superwahlabend beobachten. Die Vorherrschaft der Christdemokraten in Baden-Württemberg geht nach ersten Prognosen zu Ende. Das hat mit Fukushima zu tun. Aber auch mit der sagenhaft schlechten Bilanz der schwarz-gelben Bundesregierung.

Anders als bei den jüngsten Wahlen in Hamburg und Sachsen-Anhalt, wo Gewinne und Verluste noch maßgeblich von regionalen Themen bestimmt wurden, haben die Baden-Württemberger die Chance genutzt. Sie haben ihre Stimme eingesetzt gegen die Mischung aus Unvermögen, Selbstüberschätzung und Dilettantismus, mit der Merkel und ihr FDP-Vizekanzler Guido Westerwelle das Volk seit 2009 beschäftigen.

Schwarz-Gelb kann es nicht: Diese Position ist seit diesem Sonntag mehrheitsfähig.

Diese Wahl ist eine Zäsur, wie sie deutlicher kaum hätte sein können. Sie beendet Merkels vergeblichen Versuch, die CDU inhaltlich zu öffnen. Die scheinbare Sozialdemokratisierung der Partei hat die Stammwähler verschreckt. Merkel hat innerhalb weniger Jahre aus einer Partei mit klaren Standpunkten eine Partei der Beliebigkeit gemacht.

Die neue Familienpolitik der CDU mit Elternzeit und Vätermonaten mögen auch eingefleischte Konservative gerade noch verkraftet haben. Allein in den vergangenen zwölf Monaten aber hat Merkel mit der Wehrpflicht, der Atomkraft und der Bündnistreue jahrzehntelange Gewissheiten über Bord geworfen - in der Hoffnung, daraus Kapital schlagen zu können.