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Die Affären des Strauß-Clans:Von Gier und Größenwahn

1976: Heubl-Affäre

Die zahlreichen Verstrickungen Strauß' in seiner Amtszeit als Bundesminister konnten seiner dominanten Stellung in Bayern nie etwas anhaben. 1961 wurde Strauß erstmals zum CSU-Chef gewählt, er blieb es trotz aller Vorwürfe und Verdächtigungen bis zu seinem Tod 1988.

Allerdings gab es natürlich auch in der CSU Rivalitäten. Der bayerische Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigte Bayerns in Bonn, Franz Heubl, versuchte Ende der 60er, Anfang der 70er sich als liberaler Gegenspieler Strauß' zu profilieren. Strauß verdächtigte Heubl, seit 1970 stellvertretender CSU-Chef, schließlich, er wolle ihn vom Parteivorsitz verdrängen.

Vor dem CSU-Parteitag im Juni 1976 gab Strauß ein Dossier in Auftrag, mit dem er Heubl diskreditieren wollte. Strauß schloss für diesen Parteitag nicht aus, dass Heubl bei der Wahl zum Parteivorsitzenden gegen ihn kandidieren würde.

In dem 41 Seiten starken, mit Briefen und Zeitungsausschnitten angereicherten Dossier wurden Heubl unter anderem "bodenlose Faulheit", politischer Opportunismus, "krankhaftes Misstrauen" und Kontakte zu einem Geheimdienstmitarbeiter der CSSR unterstellt.

Das Dossier, das Strauß an 30 ausgewählte Parteifreunde und ein paar Journalisten verteilen ließ, wurde zum Bumerang. Zwar kandidierte Heubl nicht gegen ihn - was er wohl nie vorhatte -, in einem Untersuchungsausschuss des Landtags sahen aber Strauß und sein Büroleiter Friedrich Voss, der Verfasser des Schmuddelstücks, ganz schön alt aus.

Seine weitere Karriere behinderte aber auch diese Affäre nicht, im Gegenteil. 1978 wurde Strauß bayerischer Ministerpräsident. Der geschmähte Heubl wurde im gleichen Jahr zum Landtagspräsidenten gewählt und war fortan vor Strauß in Sicherheit.

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