Deutschlandtrend Amerika so unbeliebt wie unter Bush, Snowden ein Held

NSA-Whistleblower Snowden ein Held, die USA dagegen nicht mehr vertrauenswürdig: Einer Umfrage zufolge wenden sich wegen der Ausspäh-Enthüllungen immer mehr Deutsche von US-Präsident Obama ab. Nur jeder Dritte hält die USA für einen verlässlichen Partner.

Die Enthüllungen in der NSA-Geheimdienstaffäre haben das Ansehen der USA bei den Deutschen einer Umfrage zufolge stark geschwächt. Der Anteil der Deutschen, die die Vereinigten Staaten für einen Partner halten, dem man vertrauen kann, sank dem ARD-"Deutschlandtrend" zufolge seit Juli um 14 Prozentpunkte auf 35 Prozent. 61 Prozent finden demnach, dass die USA kein vertrauenswürdiger Partner seien.

Auch das öffentliche Ansehen von US-Präsident Obama ist beschädigt. Im April 2010 waren noch 88 Prozent der Deutschen zufrieden mit seiner Arbeit, jetzt fällt er auf 43 Prozent zurück. Erstmals bewerten mehr als 50 Prozent seine Arbeit als negativ. Das sind Werte, wie aus der Zeit von Präsident George W. Bush. Nach Obamas Amtsantritt Anfang 2009 hatten 78 Prozent der Deutschen einen positiven Eindruck von den USA.

Der NSA-Whistleblower Edward Snowden, der die Spähaffäre mit seinen Insider-Enthüllungen ins Rollen brachte, ist für die Deutschen dagegen mehrheitlich bewundernswert. 60 Prozent sind der Umfrage zufolge Ansicht, er sei eher ein Held. 14 Prozent betrachten ihn eher als Straftäter. Bei der Frage, ob Deutschland Snowden Asyl anbieten sollten, sind die Bürger gespalten: 46 Prozent sind dafür, 48 Prozent dagegen.

Snowden soll Passwörter von Kollegen abgegriffen haben

Unterdessen wurden neue Details zu Snowdens Tätigkeit bekannt. Der Whistleblower soll Login-Daten seiner Kollegen genutzt haben, um Zugang zu Geheimdokumenten zu erlangen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtet, habe Snowden während seiner Tätigkeit auf Hawaii Nutzernamen und Passwörter von Kollegen angefragt, um damit vertrauliche Papiere speichern zu können.

Bis zu 25 Mitarbeiter der NSA-Niederlassung auf Hawaii könnten Snowden ihre persönlichen Zugangsdaten anvertraut haben. Wie eine zweite Quelle sagte, könnte Snowden argumentiert haben, er brauche die Passwörter, um seine Aufgaben als Systemadministrator erfüllen zu können. Einige der Mitarbeiter des Geheimdiensts sollen bereits identifiziert, befragt und von ihren Aufgaben entbunden worden sein.

Snowden arbeitete im Frühjahr 2012 etwa einen Monat lang für die NSA auf Hawaii. Dabei gelang es ihm, möglicherweise Zehntausende geheimer Dokumente herunterzuladen. Durch die Veröffentlichung der Papiere wurde bekannt, dass Geheimdienste aus den USA und Großbritannien im großen Stil weltweit Bürger und sogar Staatschefs abhören. Snowden versteckt sich seit Monaten in Moskau, hofft aber auf Asyl etwa in Deutschland. Auch in einem möglichen Untersuchungsausschuss würde seine Aussage eine große Rolle spielen.