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Deutschlandbesuch:Die deutsche Wirtschaft erhofft sich neuen Schwung im Handel

Bundeskanzlerin Merkel traf den indischen Regierungschef am Montagabend zunächst unter vier Augen, bei einem Abendessen auf Schloss Meseberg. Besprochen werden sollen neben den G-20-Themen auch "bilaterale Komponenten", so Regierungssprecher Seibert. Dazu werde es auch "konkrete Beispiele" geben. Allerdings erst an diesem Dienstag, nach den eigentlichen Regierungskonsultationen, bei denen über weitere Kooperationen in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Bildung gesprochen werden soll.

Auch die deutsche Wirtschaft erhofft sich neuen Schwung im Handel, zahlreiche Treffen stehen auf der Agenda, ein deutsch-indischer Wirtschaftsgipfel im feinen Hotel Adlon ist organisiert, Merkel wird reden, und auch der hohe Gast aus Indien.

Schon vor der Ankunft des Premierministers forderten deutsche Wirtschaftsvertreter, die indische Regierung müsse weitere Reformen anpacken und die Handelshemmnisse abbauen. Mangelnde Rechtssicherheit, schwerfällige Verwaltungen und fehlende Infrastruktur machten es Unternehmen schwer, in dem Land zu investieren, sagte der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (APA), Hubert Lienhard. Das betreffe vor allem kleine und mittelständische Firmen. "Mit Blick auf Zölle und weitere Handelshemmnisse muss Indien sich stärker öffnen, damit unsere Unternehmen ihr Engagement im Land ausbauen".

APA-Chef Lienhard fordert, die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien wiederaufzunehmen, der Abschluss "wäre ein wichtiges Signal an Investoren." Für die deutsche Wirtschaft ist Indien ein wichtiger Markt. Das Land gilt als eines der am schnellsten wachsenden Schwellenländer, 2017 wird mit 7,4 Prozent gerechnet. Das Handelsvolumen belief sich im vergangenen Jahr auf 17 Milliarden Euro. Davon waren knapp zehn Milliarden Euro deutsche Exporte, knapp 13 Milliarden Euro investierten deutsche Unternehmen.

Auch in Indien sind die Erwartungen hoch. Modi lobte die Bundesrepublik jüngst als "Haupthandelspartner" sowie als wichtigen "Investitions- und Technologiepartner". Eines dürfte Merkel besonders freuen: Zumindest bisher gibt es aus Indien keine laute Kritik am deutschen Handelsbilanzüberschuss.

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