Deutsch-deutsche Umzüge "Wie weiß und deutsch Sachsen ist"

Stephan Schneider: "Wir sind ein Freundeskreis von acht Leuten, die beschlossen haben, gemeinsam ein Hausprojekt zu gründen. Wir waren uns sehr schnell einig, dass wir dafür nach Leipzig ziehen wollen. Die Stadt hat eine rege alternative Szene und die Hauspreise sind verdammt viel günstiger als in Bremen oder Hamburg.

Meine Freundin kommt aus der Nähe von Meißen, ich war also schon vorher in Sachsen, auch auf Demos gegen Neonaziaufmärsche. Was mir gleich aufgefallen ist: wie weiß und deutsch Sachsen ist. Ich bin in Mannheim aufgewachsen, da ist es völlig normal, Nicht-Weiße auf der Straße zu sehen. Hinzu kommt der Alltagsrassismus, den ich nicht selbst erlebe, über den mir aber immer wieder berichtet wird. Ein Freund ist vor acht Jahren aus seiner Heimat Hannover nach Leipzig gezogen. Seine Familie ist aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Er sagt immer: So wie hier muss es sich für meine Eltern in den 70ern im Westen auch angefühlt haben.

Stephan Schneider, 40, Politikwissenschaftler, lebte vor seinem Umzug nach Leipzig in Göttingen. Er ist Projektkoordinator bei Roter Stern Leipzig, einem Sportverein aus dem Stadtteil Connewitz.

(Foto: OH)

In der Gruppe beschäftigen wir uns alle beruflich oder privat mit Themen wie Diskriminierung, Rechtsextremismus, Rassismus. Ich arbeite beim Roten Stern Leipzig, einem Sportverein aus Connewitz. Wir wussten also, was auf uns zukommt, wenn wir in den Osten gehen. Wobei man sagen muss: Leipzig fühlt sich ein bisschen wie eine Insel an. Wir wären wohl eher nicht nach Dresden oder Chemnitz gezogen.

Dass wir alle aus dem Westen stammen, war anfangs schon Thema - interessanterweise eher in linken Kreisen. Da mussten wir uns von Ur-Leipzigern fragen lassen, warum wir nicht in Göttingen geblieben sind. Der Vorwurf Gentrifizierung stand im Raum. Ich finde, es kommt auch darauf an, wer kommt und warum. Wir bauen einen alten Gasthof am Stadtrand aus. Die Nachbarn haben uns gut aufgenommen, gerade organisieren wir ein großes Straßenfest. Ich kenne viele, die sagen: Leipzig ist so schön wie noch nie, eben weil junge Leute herziehen und ihr Ding machen."

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