Deutschland vor der Bundestagswahl Die Farbenspiele waren selten so spannend

Wenn mit der FDP nichts mehr geht, wäre es das einfachste für Merkel, noch einmal die SPD zu umwerben, also nochmal eine große Koalition zu bilden. Es gibt Kreise in der SPD, die sich das vorstellen können; aber noch ein Bündnis mit Merkel würde die SPD als Volkspartei kaum überleben; es wäre eine Todeskoalition. Es gibt viele in der SPD, die das fürchten. Wenn die SPD die Merkelsche Einladung zur eigenen Beerdigung annähme, wäre die Vizekanzlerschaft für Sigmar Gabriel Teil der roten Funeralästhetik.

Und die Grünen?

Merkel wird also, wenn sie weiter regieren will, sich auch sehr um die Grünen bemühen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das nach langem Hin und Her Erfolg hat; für den größten Teil der alten grünen Führungsgarde ist es die letzte Regierungschance vor dem Generationenwechsel. Die grüne Basis allerdings würde einen Aufstand machen.

Steinbrücks Mannschaft für die Bundestagswahl

Der Kandidat und sein K-Team

Man kann lange darüber streiten, was schwerer zu bewerkstelligen ist: eine schwarz-grüne Koalition für Merkel oder eine rot-grün-gelbe für Steinbrück. Für die Steinbrück-Gabriel-SPD ist die Koalition mit den Grünen und der FDP (weil ein Bündnis mit den Linken derzeit ausgeschlossen ist und Steinbrück ein Eintreten in eine große Koalition richtigerweise, siehe oben, kategorisch abgelehnt hat) die einzige Regierungschance. Diese Chance ist so groß oder klein wie die eines Regierens der Union mit den Grünen. Mit der FDP hätte Steinbrück als Person wenig Probleme. Das Problem besteht darin, die beiden höchst unterschiedlich liberalen Parteien in ein Boot zu kriegen. Aber für die FDP wird das vielleicht die einzige Chance sein, an der Macht zu bleiben.

Das Patt der Lager ist eine wahrscheinliche Konstellation für den Herbst. Das Wahlergebnis vom 22. September wird daher vor allem gewaltige koalitionspsychologische Auswirkungen haben: Wer geht mit welchem Selbstbewusstsein in Verhandlungen mit wem?