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Deutschland:IS-Anwerber verhaftet

"Abu Walaa" gilt als führender Kopf der Terrormiliz - er soll hierzulande Kämpfer für den "Islamischen Staat" rekrutiert haben. Nun wurden er und vier Komplizen gefasst, Bundesinnenminister de Maizière spricht von einem wichtigen Erfolg.

Ermittler haben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein mutmaßliches Netzwerk von Unterstützern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgehoben. Der 32 Jahre alte Iraker mit dem Kampfnamen Abu Walaa, der tatsächlich Ahmad Abdelazziz A. heißt, gilt den Behörden seit Jahren als zentrale Figur deutscher Islamisten. "Das ist der Schlimmste", hieß es in Sicherheitskreisen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sprach von einem "Chefideologen" der Szene. Am Dienstagmorgen wurden er und vier weitere Männer verhaftet.

Die Verhaftungen markieren einen neuen Abschnitt der Strafverfolgung. Bislang ging es in den bundesweit fast tausend Verfahren gegen Islamisten meist um eine Art Fußsoldaten: um diejenigen also, die nach Syrien oder in den Irak ausreisten und von dort nach Deutschland zurückkehrten. Nun soll es auch um jene gehen, die andere indoktrinieren und aufhetzen; um die "geistigen Wegbereiter", wie Generalbundesanwalt Peter Frank erklärte.

Die Bundesanwaltschaft hat seit Herbst 2015 gegen den Iraker Abu Walaa und mutmaßliche Helfer ermittelt. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft sei es Abu Walaa vorbehalten gewesen, Ausreisen zu billigen und zu organisieren. Das Netzwerk habe nachweislich einen jungen Mann samt seiner Familie zum IS nach Syrien geschleust. Hinweise auf Anschlagspläne in Deutschland gibt es laut Bundesanwaltschaft jedoch nicht.

Zuletzt hatten die Ermittler von einem Syrien-Rückkehrer detaillierte Hinweise erhalten, die zu den Festnahmen geführt haben. Ein Mann namens Anil O. hatte ihnen offenbart, wie das Netzwerk funktioniert. Den Prediger Abu Walaa bezeichnete er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, dem NDR und dem WDR als den "obersten Repräsentanten des IS in Deutschland". Abu Walaa predigte im Ruhrgebiet und in der Moschee des "Deutschsprachigen Islamkreises" in Hildesheim, der seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Neben ihm ist der 50-jährige Türke Hasan C. aus Duisburg unter den Verhafteten. Er betreibt dort ein Reisebüro und hat nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz-Chefs Burkhard Freier Kontakt zu den Jugendlichen gehabt, die im April einen Anschlag auf ein Gebetshaus der Sikh in Essen verübt haben sollen. "Er gehört zu den Radikalisierern", sagte Freier. Das Landesamt für Verfassungsschutz habe derzeit etwa 25 von diesen Radikalisierern im Blick. "Die jetzt Festgenommenen gehören zu denjenigen, die ganz federführend waren." Sie würden Jugendliche in sogenannten Islam-Seminaren "sprachlich und ideologisch" auf die Ausreise nach Syrien vorbereiten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wertete die Verhaftungen als "wichtigen Erfolg" und erklärte: "Wir wollen nicht, dass Terrorismus aus Deutschland exportiert wird, und wir wollen verhindern, dass Menschen so radikalisiert werden, dass sie in der Gefahr stehen, Terroristen zu werden."