Süddeutsche Zeitung

Deutschland:Fast 6000 minderjährige Flüchtlinge sind verschwunden

  • Im vergangenen Jahr sind der Bundesregierung zufolge knapp 6000 minderjährige Flüchtlinge verschwunden.
  • Die Grünen bemängeln, die Bundesregierung ziehe "die Gefahren durch Zwangsprostitution und Ausbeutung nicht ernsthaft in Betracht".
  • Unter den Verschwundenen befinden sich mehr als 500 Flüchtlinge, die jünger als 14 Jahre sind.

Im Jahr 2015 sind in Deutschland 5835 minderjährige Flüchtlinge verschwunden. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt. Die verschwundenen Kinder und Jugendlichen stammen demnach überwiegend aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Marokko und Algerien.

Insgesamt sind 8006 minderjährige Flüchtlinge als vermisst gemeldet worden, davon sind 2171 wiederaufgetaucht. Unter den verschwundenen minderjährigen Flüchtlingen sind 555 Kinder. Als Kind gilt in Deutschland, wer jünger als 14 Jahren ist. Hintergründe für das Verschwinden konnte das Ministerium nicht nennen.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, bemängelte, die Bundesregierung ziehe "die Gefahren durch Zwangsprostitution und Ausbeutung nicht ernsthaft in Betracht". Ende März hatten mehrere Europa-Abgeordnete in einem Brief darauf hingewiesen, dass verschollene minderjährige Flüchtlinge womöglich Opfer von paneuropäischen Banden würden, die sie für Sexarbeit, Sklaverei oder Organhandel missbrauchen. Die Bundesregierung solle jetzt aktiv werden, forderte Amtsberg.

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