Kleine Geschichte aus den frühen Neunzigern, die man sich noch heute erzählt in den nicht eben kleinen Kreisen deutscher Akten- und Archivexperten. Sie handelt davon, wie Egon Krenz, der ehemalige DDR-Staatsratsratsvorsitzende, im eben erst wiedervereinten Deutschland einmal das Bundesarchiv aufsuchte. Krenz saß im Besuchersaal, wo er sich Akten hinbestellt habe, die er zu DDR-Zeiten höchstselbst produziert hatte. Und irgendwann habe er dann versucht, sie einzupacken. Als Mitarbeiter des Bundesarchivs ihn daran hinderten, so geht die Erzählung, soll Krenz empört gerufen haben: Da ist doch meine Unterschrift drunter, das gehört doch mir!
KanzleraktenMeine Unterschrift, meine Akte
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Staatliche Entscheidungen müssen nachvollziehbar bleiben - das ist ein Prinzip der Demokratie. Dokumente von Amtsträgern gehören also ins Archiv. Doch Deutschlands Regierungschefs sind mit dem Grundsatz bisher eher nachlässig umgegangen.
Von Boris Herrmann und Georg Ismar
