Süddeutsche Zeitung

Deutsche Rüstungsindustrie:Tödliche Exportschlager

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Panzer und U-Boote "made in Germany" sind ein Renner auf dem Weltmarkt - Deutschland ist drittgrößter Exporteur. Die Industrie profitiert vom Wettrüsten anderer Nationen und zeigt sich bislang krisenfest.

Michael König

"Made in Germany" ist noch immer ein Qualitätsmerkmal. Zumindest, wenn es um Waffen geht. Eine Untersuchung des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hat ergeben: Seit 2004 ist die Zahl deutscher Ausfuhren um 70 Prozent gestiegen. Deutschland ist weltweit die Nummer drei und in Europa die alleinige Nummer eins unter den Rüstungsexporteuren - im Sipri-Bericht 2003 hatte man sich diese Position noch mit Frankreich teilen müssen.

Die todbringenden Maschinen aus deutscher Produktion sind besonders in der Türkei und Griechenland beliebt. Laut dem Sipri-Bericht sind seit 2005 beinahe 500 Panzer vom Typ Leopard 2A4 dorthin geliefert worden - allesamt gebrauchte Modelle, die von der Bundeswehr ausrangiert wurden.

Die Griechen erwarben außerdem die Lizenz für den Bau des Nachfolgemodells Leopard 2A5 - ein Deal, der Deutschland laut Sipri 1,7 Milliarden Euro eingebracht hat. Der zweite Exportschlager sind U-Boote der Klasse 214, die von einer Brennstoffzelle angetrieben werden - im Gegensatz zur ausländischen Konkurrenz, die mehrheitlich mit Kernkraft fahren.

USA und Russland mit Vorsprung

Sowohl die türkische als auch die griechische Marine rüstet sich mit diesem Kriegsgerät aus. Deutsche Exporte in die Türkei machten in den vergangenen Jahren 15 Prozent der Gesamtausfuhr aus, 13 Prozent gingen nach Griechenland. Beide Nationen sind Nato-Mitglieder und somit Verbündete, gleichsam aber Gegenspieler im Konflikt um die Insel Zypern, die je zur Hälfte türkisch und griechisch-zyprisch ist. "Die beiden Länder befinden sich in einem Rüstungswettlauf, den Deutschland mit Exporten befeuert", kritisiert der deutsche Militärexperte Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit.

Für die Industrie ist es ein lukratives Geschäft: Zehn Prozent der weltweiten Rüstungsexporte kamen in den vergangenen fünf Jahren aus Deutschland. Lediglich die USA (31 Prozent) und Russland (25) sind den deutschen Waffenschmieden voraus.

Das Durchschnittsvolumen der weltweiten Waffengeschäfte sei im Vergleich zu 1999 bis 2003 um 21 Prozent gestiegen, heißt es in dem Sipri-Bericht. "Während einige Staaten den Gürtel enger schnallen, kurbeln beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate und Taiwan ihre Aufrüstung massiv an", wird der Sipri-Direktor Paul Holtom zitiert.

Auffällige Reklamation

Von der Finanzkrise sei auf dem Rüstungsmarkt nichts zu spüren gewesen. Militärexperten gehen indes davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren ändert: "Es sind Verzögerungen zu beobachten, was die Lieferung und Bezahlung von Waffensystemen angeht", sagt Otfried Nassauer. So habe Griechenland die erste Lieferung des U-Bootes der Klasse 214 auffällig oft wegen technischer Mängel reklamiert.

Selbst die potentielle Supermacht China, 2007 und 2008 Hauptimporteur russischer Waffen, hat laut dem Stockholmer Institut derzeit keine größeren Aufträge vergeben. Das liegt laut Sipri allerdings nicht daran, dass die Volksrepublik womöglich auf einen friedlicheren Kurs eingeschwenkt ist - der Grund hierfür sei vielmehr, dass die Chinesen ihre Waffen offenbar in Zukunft von der eigenen Industrie bauen lassen wollen.

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