Deutsche Neonazis und Iran Mahmuds deutsche Freunde

Bei aller Kritik hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad auch hierzulande Fans - unter deutschen Neonazis. Die freuen sich auch über die Gewalt gegen iranische Oppositionelle.

Von Jannis Brühl

Es ist das politische Tagesgeschäft von DVU und NPD, vor der Unterwanderung und Besetzung Deutschlands durch Muslime zu warnen. Das hindert die rechtsextremen Parteien allerdings nicht daran, offen mit dem Gottesstaat Iran und dessen Führung zu sympathisieren.

Beliebt unter deutschen Rechten: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad

(Foto: Foto: dpa)

Im Internet feiern sie den umstrittenen Wahlsieger Mahmud Ahmadinedschad - und versuchen gleichzeitig, dessen Erfolg für die eigene Propaganda auszuschlachten. Krampfhaft suchen beide Parteien nach Parallelen zwischen seiner islamistisch-konservativer Politik und ihrer eigenen Situation.

Die DVU gratuliert Ahmadinedschad auf ihrer Website zum Sieg und lobt ihn als "kompromisslosen Patrioten". Ahmadinedschad regiere "bescheiden und selbstlos", sein Protektionismus schützt Iran vor "Börsenhaien". Auch wenn viele Iraner die Wirschaftspolitik des Präsidenten für Rekordinflation und hohe Arbeitlosigkeit verantwortlich machen, ist er für die DVU ein mutiger Kämpfer gegen das "internationale Kapital", der "regulierend für das gesamte Volk" in die Wirtschaft eingreift.

Im letzten Absatz des Web-Eintrags sympathisieren die Autoren sogar in holpriger Metaphorik mit der Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Oppositionelle: Revolutionsgarden und Bassidschi-Milizen müssten dringend die Teheraner "Straßen fegen", da "der Schmutz" schon sehr tief sitze - womit wohl die prowestlichen Kräfte gemeint sind. Der Besen müsse dabei "stählerne Borsten" haben.

Kuriose Vergleiche

Auch NPD-Chef Udo Voigt äußert sich auf der Seite seiner Partei zum Wahlausgang in Iran - und versucht, eine Brücke zur deutschen Politik zu schlagen. In einem "offenen Brief" an Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier nutzt Voigt die iranischen Proteste, um die Strategie seiner Partei fortzuführen, sich zum Opfer staatlicher Verfolgung zu stilisieren. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen" schreibt er und führt Iran als positives Gegenbeispiel zu Deutschland an, "wo Demokratie und Menschenrechte oft genug mit Füßen getreten werden". Damit meint er Versammlungsverbote gegen NPD-Veranstaltungen und die Inhaftierung des rechtsextremen Anwalts Horst Mahler. Der sitzt wegen Volksverhetzung im Gefängnis.

Auch die DVU vergleicht Iran und die Bundesrepublik. Sie verbittet sich deutsche Kritik an der iranischen Wahl - mit einem kuriosen Argument: Die Deutschen dürften ihren Bundespräsidenten im Gegensatz zu den Iranern nicht selbst wählen, sondern müssten dies der Bundesversammlung überlassen. Historische Gründe für den deutschen Wahlmodus werden nicht erwähnt, genauso wenig wie die Tatsache, dass der deutsche Präsident im Gegensatz zum iranischen nur repräsentative Aufgaben übernimmt.

Der "Volkspräsident" Ahmadinedschad, wie ihn die DVU nennt, entspricht offensichtlich dem Idealbild eines politischen Führers in der deutschen Rechten: Sein agressives Auftreten gegenüber Israel und seine Äußerungen zum Holocaust, den er erst im Wahlkampf wieder als "Betrug" bezeichnet hatte, stoßen in der Szene seit längerem auf offene Ohren. An dem Treffen von Holocaustleugnern, zu dem Ahmadinedschad 2006 in Teheran eingeladen hatte, nahmen auch NPD-Mitglieder teil. Die rechtsextreme Zeitschrift Nation & Europa hatte im selben Jahr bereits Ahmadinedschads Kommentare zum Holocaust mit der Überschrift "Danke, Herr Präsident" goutiert.

Glückwünsche und Rassismus

Nicht nur für Ahmadinedschad zeigen Deutschlands Rechte Sympathien, sondern immer wieder auch für fundamentalistische Gruppen aus muslimischen Ländern. Doch auch wenn sie Antisemitismus, konservative Rollenbilder und die Ablehnung der westlichen Demokratie teilen, ist das Verhältnis der Neonazis zu den Islamisten äußerst widersprüchlich. Das zeigt sich beim Stöbern auf der DVU-Hompage.

Nur wenige Einträge vor den Glückwünschen an Ahmadinedschad findet sich eine antimuslimische Karikatur: ein Bärtiger mit einem Turban ähnlich dem der iranischen Mullahs kriecht - einem Maulwurf gleich - aus einem Erdloch in der Mitte einer Europakarte. Der Rassismus der Rechten ist auch das größte Hindernis für Kontakte, die über gegenseitige Solidaritätsbekundungen hinausgehen.

So wird es wohl bei Glückwunschdepeschen im Netz bleiben; und Deutschlands Rechte werden weiterhin versuchen, Vorgänge am anderen Ende der Welt zu benutzen, um sich in der Bundesrepublik als politisch Verfolgte darzustellen.