Deutsche Kämpfer für den IS:Die Eltern der Männer sind verzweifelt

Erklären kann die Radikalisierung der Ibbenbürener im Rathaus keiner. Sie kämen aus solidem Elternhaus, sagt Özdemir: "Bergleute, geregelte Einkommen, stabile Familien." Verlierer seien die Männer nicht gewesen: "Der Älteste hatte noch zwei Semester, dann wäre der Elektroingenieur." Die Eltern seien verzweifelt, zwei der Mütter in Behandlung. Niemand weiß, ob die Kinder noch leben. Zwei Väter hatten ihre Söhne selbst bei der Polizei als IS-Anhänger gemeldet.

Die Funktionäre haben nichts zu verstecken, sie haben aber auch nicht besonders viel beizutragen außer dem berechtigten Wunsch, dass Muslime nicht pauschal diffamiert werden. Wenn es darum geht, künftig zu vermeiden, dass sich junge Männer radikalisieren, kommt von ihnen kaum Konkretes. Sie sehen die Politik, die Polizei in der Pflicht. Ehrenamtlich könnten sie kaum mehr leisten. Immerhin: "Die Gemeinden müssen besser zusammenarbeiten und kommunizieren", sagen alle, präziser wird nur Veli Firtina von Ditib: "Es wäre schön, wenn diese Leute in unsere Geeinschaft kommen würden. Wir würden ihnen den rechten Weg weisen."

Gefragt, wie sie denn Salafisten, die auf ihren Freitagsgebeten auftauchten, konfrontieren würden, kommt aber von keinem eine Antwort. Mit Oberbürgermeister Heinz Steingröver (SPD) wurde ein "Runder Tisch" eingerichtet - eine klassische Reaktion, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Ob das Gerücht stimme, dass eine Gruppe Salafisten in der Stadt rekrutiere? Die Verbände bestreiten das. Erstens müsse das die Polizei rausfinden, zweitens habe niemand salafistische Propaganda mitbekommen. Lediglich eine Handvoll junger Männer sei in der Vergangenheit durch entsprechende Kleidung aufgefallen, darunter jene, die nun weg sind.

In der Region gibt es einige salafistische Aktivisten

Konsens ist hier: Die Jugendlichen wurden nach Syrien "geschickt". Die Runde spekuliert über eine "Steuerung aus dem Ruhrgebiet" - in der Region gibt es tatsächlich einige salafistische Aktivisten - oder aus dem Ausland. Auch über das Internet könnten die Ibbenbürener radikalisiert worden sein. Absurd wird es, als ein Teilnehmer spekuliert, "Medikamente und Spritzen" könnten für salafistische Gehirnwäsche verantwortlich sein.

Ibbenbüren ist kein Einzelfall, besonders in Nordrhein-Westfalen nicht. Ein Dschihadist aus Dinslaken posierte Anfang des Jahres im Kriegsgebiet mit dem abgeschlagenen Kopf eines Opfers des IS. Ein junger Mann aus Ennepetal beging SZ-Recherchen zufolge ein Selbstmordattentat in Bagdad.

Die Vertreter der Gemeinden sitzen in ihren Anzügen im Ibbenbürener Rathaus und wirken ratlos. Wie auch immer der Salafismus in ihre Stadt gekommen ist: Einigen muslimischen Jungs erscheint er als das attraktivere Angebot.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB