Deutsche in der Schweiz Den Schweizer gibt es als Kollektiv

Was auch immer wieder schlecht ankommt: im Restaurant eine Bestellung ohne vorgängiges "Grüezi" direkt mit "Ich krieg' einen Kaffee" aufzugeben, also ohne Anwendung des Konjunktivs. Der Diskussion zuliebe wird dabei zwangsläufig stark stereotypisiert. Doch wir wissen natürlich alle, dass es genauso wenig den typischen Deutschen gibt wie den typischen Schweizer.

Die Sprache spielt bei den Missverständnissen eine zentrale Rolle. Das Schweizerdeutsch ist für die meisten Deutschschweizer mehr als ein Dialekt, es ist die Muttersprache, die Herzenssprache. Vieles, was mit Nähe zu tun hat, wird mit dem Schweizerdeutschen ausgedrückt: Vertrautheit, Spontanität und Emotionalität - zum Beispiel: "dä Plausch ha" (Spaß haben).

Hochdeutsch wird zwar in der Schule gelernt und gesprochen, trotzdem lagern die Aktivkenntnisse oft im Keller, wodurch sich die Schweizer den meist eloquenten Deutschen oft unterlegen fühlen. Dazu kommt die "Schmach", dass das Hochdeutsche der Schweizer von den Deutschen manchmal schon für Schweizerdeutsch gehalten wird, so dass der deutsche Gesprächspartner plötzlich ganz begeistert feststellt, dass ihm das Schweizerdeutsche gar keine Mühe bereitet.

Auch die politische Organisation prägt den Umgang der Bewohner eines Landes. Für viele Eigenschaften, welche den Schweizern zugeschrieben werden, findet man Parallelen in der Anlage des politischen Systems. So verlangen "gut eidgenössische" Entscheidungsprozesse in größerem Maße nach Kompromissen.

Die Entscheidungsträger sind meist Kollektive und weniger Einzelpersonen. Das schlägt sich auch im Arbeits- oder Führungsstil nieder. Im Team wird eine gemeinsame Lösungsfindung sehr geschätzt. Deshalb mag man es in der Schweiz nicht allzu sehr, wenn Hierarchien klar zum Ausdruck kommen, wenn man ohne Umschweife zur Sache kommt oder die notwendigen Höflichkeitsphasen in Gesprächen außer Acht lässt.

Als weltoffene Stadt bekennt sich Zürich zu den kulturellen und wirtschaftlichen Vorteilen einer pluralistisch zusammengesetzten Bevölkerung. Deshalb lädt die Stadt Zürich gemeinsam alle Neuzugezogenen aus dem Ausland zu einer Begrüßungsveranstaltung ein. Denn aller Anfang ist Begegnung.

Gerade die zahlreichen Gäste aus Deutschland berichten bei diesen Gelegenheiten immer wieder, wie positiv sie ihren Alltag erleben. Also: Beobachten Sie zunächst Ihre neue Umgebung, bleiben Sie sich aber treu! Auch wenn Ihnen mal ein informelles "Tschüss" am Schluss einer Sitzung entgleitet - mit einem Augenzwinkern kommt das bestimmt charmant rüber!