Süddeutsche Zeitung

Deutsche Bahn:Vorgeführt

Die Konzernführung sollte der Bundesregierung zeigen, wie sich aus der Krise kommt. Nun muss sie nacharbeiten - ein Armutszeugnis für beide Seiten.

Für die Bahn war der Fahrplan eigentlich klar. Der Konzernvorstand sollte an diesem Dienstag der Politik zeigen, wie der größte Staatskonzern aus der Misere um unpünktliche Züge und schlechten Service kommen will. Doch trotz langer Vorbereitung hat der Vorstand sein Ziel verfehlt. Er blieb zu vage, war zu wenig ambitioniert für die Kunden: Die Vertreter der großen Koalition schickten die Bahnspitze zurück ins Büro.

Selten wurde eine Konzernführung derart vorgeführt. Zwei Tage bleiben dem Vorstand um Richard Lutz nun Zeit, einen neuen Plan vorzulegen - diesmal mit konkreten Maßnahmen, um die Bahn bald pünktlicher und zuverlässiger zu machen. So fordern es Vertreter des Bundes. Für Donnerstag wurde der Vorstand erneut zum Gespräch gebeten. Es ist ein Armutszeugnis für beide Seiten.

Bahn und Bund wollten gemeinsam dem Eindruck entgegentreten, dass im Konzern wenig zusammenläuft. Nun ist neues Krisenmanagement gefragt. Und die große Koalition muss sich fragen lassen, ob sie denn selbst einen Plan für die Zukunft der Bahn hat. Denn als Nächstes steht die Frage an, wie Milliardenlöcher in der Bilanz gestopft werden sollen und ob die Regierung mit weiteren Finanzspritzen hilft. Verkehrsminister Scheuer räumte ein: Das sei am Dienstag noch kein Thema gewesen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4288307
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 16.01.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.