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Deutsch-türkische Beziehungen:Bundesregierung stellt sich im Streit mit der Türkei hinter Deutsche Welle

Der türkische Sportminister ließ ein Interview mit dem staatlichen deutschen Auslandssender konfiszieren. Der deutsche Botschafter in Ankara hat sich eingeschaltet.

Im Streit um die Beschlagnahmung eines Interviews mit dem türkischen Sportminister, Akif Çağatay Kılıç, hat sich die Bundesregierung hinter die Deutsche Welle (DW) gestellt. Sie unterstützte die Forderung des staatlichen Auslandssenders, die Aufnahmen wieder herauszugeben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Die Pressefreiheit ist für uns ein hohes, nicht zu verhandelndes Gut." Dies gelte nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland.

Wegen der Beschlagnahmung des Interviews wurde der deutsche Botschafter Martin Erdmann auch bei der türkischen Regierung vorstellig. Nach Angaben des Auswärtigen Amts führte er dazu ein "konstruktives" Telefonat mit dem Büroleiter des Sportministers. Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.

Der Minister hatte dem DW-Moderator Michel Friedman am Montagabend ein Interview gegeben. Nach Angaben des Senders wurde das Material dann aber unmittelbar danach von seinem Ministerium konfisziert. Kılıç behauptete, er habe das Interview nicht autorisiert und lediglich gefordert, es nicht auszustrahlen.

Nach Angaben der Deutschen Welle hingegen habe der Minister die Aufzeichnung nach dem Gespräch konfiszieren lassen: "Nachdem der Minister den Raum verlassen hatte, teilte der Pressesprecher des Ministers überraschend mit, dass die DW das Interview nicht senden dürfe." Nach Protesten des Teams sei das Material beschlagnahmt worden. Dem DW-Team sei klar bedeutet worden, dass sie das Ministerium nicht mit dem Material verlassen dürften.

© SZ.de/dpa/dayk
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