Englisch ist die Fremdsprache, die in der gesamten EU am häufigsten in Schulen gelehrt wird. Gefolgt von Französisch, Deutsch und Spanisch, wie eine Auswertung der EU zeigt. Das Interesse an Französisch sinkt allerdings in dem Maße, in dem das am Spanischen wächst. Aber wer lernt noch Deutsch, diese angeblich so schwierige Sprache?
Die Letten. In dem baltischen Land mit seinen knapp 1,9 Millionen Einwohnern ist Deutsch gerade sehr gefragt. Die Bundesregierung hat sogar Sondermittel bereitgestellt, um das Goethe-Institut in Riga bei der Qualifizierung von Deutschlehrern zu unterstützen. Die Förderung von Deutsch als Fremdsprache ist zwar ohnehin eine Grundaufgabe der Goethe-Institute, aber in Lettland ist das Interesse zuletzt deutlich gewachsen.
Ursache ist eine Änderung im lettischen Bildungssystem. Schrittweise wird dort Russisch aus dem Schulunterricht verdrängt. Zwar sprechen etwa 35 Prozent der Einwohner Lettlands vorwiegend Russisch, doch Lettisch ist die alleinige Amtssprache. Bereits seit 2023 ist Russisch keine Unterrichtssprache mehr, und als zweite Fremdsprache wird Russisch ebenfalls bald nicht mehr angeboten. Von 1. September 2026 an dürfen als zweite Fremdsprache nur noch Amtssprachen von EU-Ländern gelehrt werden.
Lettland braucht bis 2030 weitere 300 Deutschlehrer
In lettischen Schulen wird von Beginn an Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet, ab der fünften Klasse kommt verpflichtend eine zweite Fremdsprache hinzu. Das lettische Bildungsministerium befragte die Schulen, durch welche Sprache sie das Russische ersetzen wollen. Ergebnis: 401 von 450 befragten Schulen wollen Deutsch als zweite Fremdsprache anbieten. Französisch und Spanisch folgten mit großem Abstand.
Ulrike Würz und Jan Sprenger vom Goethe-Institut in Riga wirken angenehm überrascht. Würz spricht von einer „fast einmaligen Gelegenheit“. So grundlegende Änderungen im Schulsystem gebe es ja nicht oft. Sprenger lobt die Offenheit der lettischen Regierung und die enge Zusammenarbeit. Mit dem lettischen Bildungsministerium wurde vereinbart, dass die am Goethe-Institut qualifizierten Lehrer sogar einen staatlich anerkannten Abschluss bekommen – eine Seltenheit, sagt Sprenger.
Insgesamt braucht Lettland bis 2030 weitere 300 Deutschlehrer. Das Goethe-Institut unterstütze bei der Weiterbildung natürlich nur, sagt Würz. Die Deutsche Botschaft in Riga habe sich stark für die Zusammenarbeit mit dem lettischen Bildungsministerium eingesetzt. Tatsächlich soll fast die Hälfte der neuen Deutschlehrer am Goethe-Institut qualifiziert werden. Im Herbst begannen die ersten 20 ihre berufsbegleitende Ausbildung.
Auch Litauen und Estland profitieren von dem Programm, sagt Ulrike Würz. Estland hat eine ähnliche Bildungsreform beschlossen wie Lettland, verbannt Russisch ebenfalls aus dem Schulunterricht. In Litauen, so berichtete gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk LRT, entscheiden sich auch ohne Verbot nur noch 40 Prozent der Schüler für Russisch als zweite Fremdsprache. Vor dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 seien es noch 75 Prozent gewesen. Neuer Favorit an litauischen Schulen ist laut LRT allerdings Spanisch, das neben Englisch bald auch als erste Fremdsprache angeboten werden soll. Nur die Lehrer fehlen noch.

