Designierter Platzeck-Nachfolger Woidke:Kronprinz mit Karriereknick

Dietmar Woidke

Er gilt als leutselig und fast immer gut gelaunt: Dietmar Woidke soll Matthias Platzeck als Landeschef der brandenburgischen SPD und als Ministerpräsident beerben - außerdem bestenfalls auch als beliebter Landesvater.

(Foto: dpa)

Er gilt als leutselig und fast immer gut gelaunt, ist aber sogar in Brandenburg eher unbekannt: Dietmar Woidke gehört seit knapp zehn Jahren zum Spitzenpersonal der Landespolitik. Nun soll er Matthias Platzeck nachfolgen.

Von Sebastian Krass

Eigentlich wollte die SPD den Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Matthias Platzeck in den nächsten Monaten systematisch im Land bekannt machen. Schließlich kannte bisher nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung dessen Kronprinzen. Dietmar Woidke heißt der Mann, er ist immerhin Innenminister des Landes.

Doch Woidkes Bekanntheitswert dürfte sich nun auch ohne spezielle Kampagne sprunghaft verbessern - wenn er nun viel schneller als gedacht das Amt des Ministerpräsidenten übernimmt. Und den Vorsitz des Landes-SPD gleich mit.

Der 51-Jährige gehört seit bald zwanzig Jahren zum Stammpersonal der brandenburgischen Landespolitik. 1994 wurde er erstmals in den Landtag gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehört. Der promovierte Agraringenieur vertritt den Landkreis Spree-Neiße, der im Südosten des Landes liegt und die Stadt Cottbus umschließt.

Seit knapp zehn Jahren besetzt Woidke Spitzenposten in der Landespolitik. 2004, mit 43 Jahren, wurde er Landwirtschafts- und Umweltminister und blieb es bis zum Ende der Legislaturperiode 2009. "Leutselig, offen und fast immer gut gelaunt bewegte er sich zwischen seiner bunten Klientel aus Förstern, Fischern, Bauern, Jägern und Naturschützern." So beschreibt das Magazin Cicero die damalige Arbeit Woidkes. "Weil er glaubte, das passe zu einem Landwirtschaftsminister, schaffte er sich sogar einen Jagdhund an." Als er auch noch einen Jagdschein machen wollte, sei Woidke aber durch die Schießprüfung gefallen.

Anerkennung auch bei der CDU

Es folgte ein Karriereknick. Im nächsten Kabinett unter Platzeck bekam Woidke zunächst keinen Ministerposten mehr. Stattdessen machte ihn die SPD-Landtagsfraktion zu ihrem Vorsitzenden. Doch im Oktober 2010 kehrte Woidke zurück in die Regierung. Damals folgte er auf Rainer Speer, der als Innenminister wegen angeblicher politischer und privater Verfehlungen zurückgetreten war. Unter anderem soll Speer den Unterhalt für ein uneheliches Kind nicht selbst gezahlt haben, stattdessen sei der Staat dafür aufgekommen.

Als Innenminister setzte Woidke eine lang umstrittene Polizeireform um, hier suchte er den direkten Kontakt zu den von Kürzungen Betroffenen. Und Woidke ging gegen frühere Stasi-Spitzel im Polizeidienst vor. Damit erwarb er sich auch Anerkennung bei der CDU. Beobachter spekulieren deshalb, dass unter dem "kantigen" Woidke das Verhältnis zum derzeitigen Koalitionspartner, der Linken, künftig etwas konfliktreicher werden könnte. Woidke wird nachgesagt, er würde eine Koalition mit der Union bevorzugen.

Anfang dieses Sommers musste Woidke den Krisenmanager geben, als die östlichen Teile der Bundesrepublik vom Hochwasser betroffen waren. Und im Juli tauchte sein Name kurz bundesweit auf, als es um eine groß angelegte Aktion gegen die Rockerbande Hells Angels ging. Woidke sprach ein Verbot gegen zwei Hells-Angels-Gruppen aus. Bereits zuvor hatte Woidke bundesweite Verbote von Rockerclubs gefordert.

Laut Cicero wirkt Woidke inzwischen "nachdenklicher und überlegter als früher". Dass er nun wohl Ministerpräsident Brandenburgs wird, liegt auch daran, dass es an Alternativen fehlt. Der Tagesspiegel schreibt, Woidke sei der einzige SPD-Politiker in Platzecks Kabinett mit genug "Format und Führungsstärke" für den Posten des Ministerpräsidenten. Ob er auch wie sein Vorgänger das Zeug zum Landesvater hat, das wird Woidke nun beweisen müssen.

© Süddeutsche.de/sekr/olkl/bavo
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